Marketing-Gags: Geisterhafte Werbung

09.05.2012 20:51 Uhr | Aktualisiert 09.05.2012 21:10 Uhr
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Cola-Dose

Michael Jackson auf der Cola-Dose. (FOTO: DAPD)

Von SebaStian Moll
Immer öfter müssen tote Prominente für Marketing-Gags herhalten. Nun trifft es Michael Jackson. Und die Erben verdienen gut dabei.
New York/MZ. 

Die Jacksons sind eine selbstlose und fürsorgliche Familie. Das haben sie schon zwei Tage nach dem Tod ihres berühmtesten Sohnes Michael bewiesen. Die Obduktion des King of Pop war noch nicht abgeschlossen, da ließ Familienpatriarch Joe Jackson die Fans wissen, dass ihr Schmerz die Familie mehr berühre als die eigene Trauer. Aber die Jacksons hatten auch Trost für die verzweifelnden Anhänger: "Er wird durch euch weiterleben", sagte er. "Bleibt ihm treu, dann wird er unsterblich."

Um sicherzugehen, dass Jackson im Geiste den Fans erhalten bleibt, sind der Papa und die anderen Nachlassverwalter nun eine umfangreiche Kooperation mit der Cola-Marke Pepsi eingegangen. Zum 25-jährigen Jubiläums von Jacksons Erfolgsalbum "Bad" wird Pepsi eine Milliarde Dosen mit Jacksons Silhouette in den Handel bringen sowie CDs mit einer Neuabmischung der "Bad"-Hits.

Selbstverständlich hat die geplante Kampagne für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. "Das ist makaber", meinte etwa der Pop-Kritiker Watts Wacker. "Sie werden dadurch viel Aufmerksamkeit erregen, die meiste davon jedoch negativ." Im schlimmsten Fall könnte der Coup zum Gegenteil des gewünschten Effektes führen - dem Boykott der notorisch hinter der Konkurrenz herhinkenden Cola-Marke. Pepsi hatte zwar versprochen, geschmackvoll vorzugehen, doch bislang scheint das nicht zuzutreffen. Allein der Abdruck des Konterfeis auf einer Wegwerfbüchse dient nicht dazu, das Image von Jackson aufzuwerten.

Das gedankenlose Motto der Kampagne "Live for Now" - "Lebe im Jetzt", das die Marke jung erscheinen lassen soll, macht die Sache auch eher schlimmer. Dennoch gibt es abgebrühtere Zeitgenossen als Wacker, die an dem Deal nichts Unanständiges finden können. "Es erinnert an den jungen skandalfreien Michael Jackson", sagt die Image-Beraterin Laura Ries. Das Bild des kranken, skandalgeplagten Jackson der späten Jahre rücke dadurch in den Hintergrund, und das könne nur positiv sein.

Die Aufregung über die Pepsi-Kampagne kann Ries nicht verstehen. Es war schließlich nur eine Frage der Zeit, bis die Jackson-Erben anfangen würden, das Bild und den Namen des Jahrhundert-Stars in bare Münze umzuwandeln. Das Geschäft mit toten Ikonen ist eine gut etablierte Industrie. Rund 800 Millionen Dollar pro Jahr werden in den USA mit der Vermarktung Verstorbener ausgegeben. Das war schon zu Zeiten von James Dean und Marilyn Monroe so. Deans Erben verdienen bis heute prächtig an Werbekampagnen mit deutschen Sportwagen. Dank Computer-Animation geistern immer mehr Tote als Pixel-Gespenster durch die Werbespots.

Fred Astaire tanzt jetzt mit einem Staubsauger, und VW gefiel das offenbar so gut, dass ihre Agentur Gene Kelly in einen Breakdancer verwandelte. Auch Audrey Hepburn durfte noch einmal schwoofen - um die Stretch-Hosen der Modekette GAP anzupreisen. Ford gelang es, sich die Rechte an Steve McQueens Bildnis zu sichern, um ihn wie weiland in "Bullit" in einen Mustang steigen zu lassen. John Lennon wirbt für das Karaoke-Spiel Rock-Band, Kurt Cobain für den Video-Spaß Guitar-Hero. Den größten Wirbel verursachte jedoch das Hologramm des Rappers Tupac Shakur, das beim Coachella Festival ein Duett mit dem quicklebendigen Snoop Dogg sang.

Marketing-Experten empfehlen sogar die Arbeit mit Toten. Sie zu buchen ist kostengünstig und garantiert pannenfrei. "Wenn Sie eine Million für eine Kampagne mit Maria Callas ausgeben", sagt Agent Martin Cribbs, "dann gehen Sie nicht das Risiko ein, dass sie ohne Höschen vor der Mailänder Skala aus der Limousine steigt."

Die posthume Vermarktung ist längst Usus. Insofern wird auch die Aufregung um den Michael Jackson auf der Dose bald schwinden. Und wer weiß, vielleicht sehen wir bald eine Michael-Jackson-Hologramm-Tournee. Für den Veranstalter wäre das allemal risikoärmer, als es zum Ende hin war, den lebenden Jackson zu buchen.