Posthumes Gedenken: Köln rehabilitiert Hexe

27.06.2012 20:37 Uhr | Aktualisiert 27.06.2012 20:58 Uhr
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Darstellung von Katharina Henot

Die figürliche Darstellung von Katharina Henot (rechts) hängt in Köln am Rathausturm. (FOTO: DPA)

Von Joachim Frank
Selten fallen so historische Beschlüsse wie am Donnerstag im Kölner Stadtrat. 385 Jahre nach ihrer Hinrichtung soll die als Hexe verbrannte Patrizierin Katharina Henot rehabilitiert werden, zusammen mit anderen Leidensgenossinnen.
Köln/MZ. 

"Der Rat der Stadt Köln verurteilt die seinerzeit vollstreckten Hinrichtungen", heißt es in Beschlussvorlage 1997 / 2012.

Henots Vater war kaiserlicher Postmeister. Seine Tochter versuchte, das einträgliche Amt für die gut katholische Familie zu sichern. Doch eine Näherin beschuldigte Henot, ihr den Teufel auf den Hals gehetzt zu haben. Der Stadtrat ließ Henot einkerkern, es kam zum Prozess. Auch unter Folter beteuerte sie ihre Unschuld - vergeblich. Das kurfürstliche Hohe Weltliche Gericht verurteilte sie als "verstockte Sünderin" zum Tod. "Ein typischer Fall", sagt der Münsteraner Historiker Arnold Angenendt. Die frühe Neuzeit war ein "magisches Zeitalter", der Hexenwahn europaweit verbreitet. Viele Anzeigen kamen aus dem Volk, oft rührten sie aus Neid und sozialen Spannungen. Wie der Fall Henot zeigt, konnten die Denunziationen auch die Oberschicht treffen.

Die Prozesse wurden von der weltlichen Obrigkeit geführt. Entgegen der landläufigen Meinung stand die Kirche den Verfahren skeptisch gegenüber: Juristisch könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Anklagen auf einer "illusio diaboli" beruhten, einer "Täuschung des Teufels". Die weltliche Justiz dagegen war sich ihrer Sache sicherer. Sie bezog sich auf das Strafgesetzbuch Kaiser Karls V., die Constitutio Criminalis Carolina, von 1532. Darin stand auf Hexerei die Todesstrafe. Und die wurde reichlich verhängt: 25 000 Menschen - etwa 80 Prozent Frauen - wurden im Deutschen Reich wegen Hexerei umgebracht. Für ganz Europa ist von 50 000 Hinrichtungen auszugehen. Der Historiker Brian Levack stellt fest: "Nie zuvor hat ein Religionsdelikt so viele Opfer gefordert."

Ihre Rehabilitierung ist kein eigentlich juristischer Akt, weil die Rechtsnachfolge der damals Verantwortlichen unklar ist. Es komme auf das Symbol an, sagt der pensionierte evangelische Pfarrer Hartmut Hegeler, der sich im Fall Henot an die Stadt Köln gewandt hatte. Ihm ließ es keine Ruhe, dass die wegen Hexerei Verurteilten bis heute als schuldig im Sinne der Anklage gelten sollten. Köln eingeschlossen, haben sich inzwischen 14 Kommunen von den Urteilen distanziert.

Posthum erfährt Katharina Henot in ihrer Vaterstadt auch sichtbar ein ehrendes Gedenken: Eine Schule und eine Straße tragen ihren Namen, und eine Figur im Rathausturm zeigt Henot neben dem Jesuiten Friedrich von Spee, dem bekanntesten Kämpfer gegen den Hexenwahn.