Das Kreuzfahrtschiff „Deutschland“ fährt weiterhin unter schwarz-rot-goldener Flagge auf den Weltmeeren. Die Reederei Peter Deilmann aus dem schleswig-holsteinischen Neustadt sieht von dem vorgesehenen Flaggenwechsel ab und begründete dies am Montag mit dem „großen Interesse an der Flagge unseres Traumschiffes“. Die geplante Ausflaggung war auf heftige Kritik gestoßen, auch aufseiten der Bundesregierung.
Die Reederei hatte ursprünglich geplant, dass derzeit in London liegende, 175 Meter lange Schiff aus Kostengründen künftig unter der Flagge Maltas fahren zu lassen. Die „Deutschland“ soll nach den Olympischen Spielen die deutschen Sportler nach Hause bringen. „Der Malteser bleibt im Schrank, jetzt müsst ihr uns aber auch alle dabei helfen“, sagte Reederei-Geschäftsführer Konstantin Bissias am Montag.
Laut der Reederei ist der Verzicht auf eine Ausflaggung verbunden mit der „Hoffnung, dass all jene, die sich in den vergangenen Tagen so nachdrücklich für die deutsche Flagge eingesetzt haben, uns auch bei der Bewältigung der Konsequenzen dieser für uns unternehmerisch nicht einfachen Entscheidung unterstützen“. Insbesondere setze das Unternehmen darauf, die in Aussicht gestellte deutliche Erhöhung der Flaggenförderung in Richtung des alten, bis 2009 bestehenden Niveaus, erfolge.
Zwtl.: Reederei nach Insolvenz in Sanierungsphase
Die Reederei Peter Deilmann gehört seit ihrer Insolvenz im Jahr 2010 zum Finanzinvestor Aurelius. Die Reederei befinde sich „noch immer in einer Sanierungsphase“, schrieben die beiden Geschäftsführer Bissias und Andreas Demel am Sonntag in einem offenen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck.
Mitte Juli hatte sich die Bundesregierung in den Streit um die geplante Ausflaggung des Schiffs eingeschaltet und an die Reederei appelliert, ihre Pläne zu überdenken. Der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Hans-Joachim Otto, sprach von einer nicht nur erfreulichen, sondern auch ökonomisch klugen Entscheidung der Reederei. „Das ist ein positives Signal für die deutsche Flagge.“ Die Entscheidung diene auch den wirtschaftlichen Interessen der Reederei, „weil sie sich in einer höheren Akzeptanz und auch Nachfrage bei den Passagieren niederschlagen wird“.
Auch die Gewerkschaft ver.di begrüßte den Kurswechsel der Reederei. Ohne das klare Signal der Besatzung und ihres Kapitäns, für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne kämpfen zu wollen, wäre dieses Ergebnis nicht zustande gekommen, sagte ver.di-Schifffahrtsexperte Karl-Heinz Biesold.
Zuvor hatte es Streit um Kapitän Andreas Jungblut gegeben, der laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung von der Reederei des Schiffes verwiesen worden sein soll. Jungblut war aus seinem Urlaub nach London gereist, um seiner Besatzung beim Streit um die Ausflaggung beizustehen. Laut Reederei sollen „unsere Kapitäne Andreas Greulich und Andreas Jungblut auch weiterhin unser Traumschiff sicher und mit viel Leidenschaft für Gast und Schiff über die Meere führen“.
Das Schiff ist als „Traumschiff“ der gleichnamigen ZDF-Fernsehserie bekannt geworden.