Statistik: Zehn Prozent mehr Verkehrstote

06.07.2012 08:50 Uhr | Aktualisiert 06.07.2012 21:02 Uhr
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Holzkreuz am Straßenrand

Auf Deutschlands Straßen sind wieder mehr Menschen ums Leben gekommen. (FOTO: DPA)

Von Steven Geyer
Erstmals seit 20 Jahren steigt die Zahl der Unfalltoten auf Deutschlands Straßen wieder. Das Wetter wurde als eine der Ursachen festgestellt.
Berlin/MZ. 

Diese Bilanz überraschte die meisten Experten: Die Zahl der Todesopfer bei Unfällen auf deutschen Straßen ist im vergangenen Jahr deutlich stärker gestiegen als erwartet. 2011 starben 4 009 Menschen bei Verkehrsunfällen in Deutschland – das sind durchschnittlich elf Verkehrstote am Tag und 361 mehr als noch 2010. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, stieg die Zahl der Unfalltoten erstmals seit 20 Jahren wieder an – und zwar um fast ein Zehntel. Allerdings starben dennoch viel weniger Menschen als noch in den 90er Jahren.

Große Gefahr beim Abbiegen

Auch nach den Ursachen des heftigen Anstiegs haben die Statistik-Experten in den Angaben über die insgesamt registrierten 2,36 Millionen Unfälle gesucht – und entdeckten als einen Hauptgrund: den milden Winter. Zwar wird das gar nicht als „Unfallursache“ erfasst – unter denen rangiert das „Fehlverhalten von Fahrzeugführern“ seit Jahren mit einem Schuldanteil von über 80 Prozent vorn.

Die häufigsten Fehler von Autofahrern, die zu Unfällen führten, waren 2011: Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren, Nichtbeachten der Vorfahrt und überhöhte Geschwindigkeit. Damit ist das Rasen nicht mehr häufigster Unfallgrund, aber immer noch Schuld an fast 40 Prozent aller Todesfälle. Derweil stieg die Zahl der Toten bei alkoholbedingten Unfällen erstmals seit 2002 auf 400 Opfer.

Das Wetter kommt dagegen bei der zweithäufigsten Unfallursache ins Spiel. Denn insgesamt spielten bei mehr als 38 000 Unfällen mit Personenschaden „äußere Umstände“ eine Rolle, von denen die gefährlichsten 2011 erstens Glätte durch Regen und zweitens durch Eis und Schnee waren. Wobei die Polizei in diesen Fällen stets auch dem Fahrer eine Schuld gibt, wegen „unangepasster Fahrweise“. Und doch lag der Zuwachs der tödlichen Unfälle nicht daran, dass im vorigen Jahr die Straßen besonders oft nass oder vereist waren – im Gegenteil: Schuld war vielmehr das milde, ja zu sonnige Wetter 2011.

Fußgänger heben die Statistik

Die Statistiker erkannten, dass die Monate Januar, Februar, Mai und Dezember im Jahr 2011 viel wärmer waren als in den Jahren zuvor. Das hatte offenbar zur Folge, dass es insgesamt viel mehr Fußgänger, Radler und Motorradfahrer auf die Straßen trieb – die die Experten als „ungeschützte Verkehrsteilnehmer“ bezeichnen, weil sie bei Unfällen deutlich schwerer verletzt werden und viel öfter sterben als Autofahrer. Und tatsächlich sank zwar die Zahl der Unfälle insgesamt leicht, weil Autofahrer bei Sonne statt Eis weniger aufeinander auffahren.

Doch zugleich stieg die Zahl der Unfälle mit Verletzten um sechs Prozent auf gut 306 000 und damit eben auch die Zahl der Verletzten und der Toten. So starben 2011 ein gutes Zehntel mehr Motorradfahrer und mit 614 Opfern fast ein Drittel mehr Fußgänger als im Vorjahr. Jeder zweite von ihnen war 65 Jahre oder älter.