USA: Waffenrecht bleibt nach Massaker unangetastet

22.07.2012 09:40 Uhr | Aktualisiert 22.07.2012 19:25 Uhr
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Gedenken in Denver

Mit Blumen, Plüschtieren und Fähnchen gedenken trauernde Menschen vor dem Kino in Denver der Todesopfer des Amokläufers. (FOTO: DPA)

Von Damir Fras
Kaum ein Thema ist in den USA politisch so umstritten wie die Verschärfung der Waffengesetze. Präsident Barack Obama, der am Sonntag eine Trauerfeier für die Opfer des Amokläufers in Colorado besuchen wollte, hat im Wahlkampf 2008 zwar angedeutet, sich der Sache annehmen zu wollen. Doch geschehen ist nichts.
Washington/MZ. 

Carolyn McCarthys Ehemann Dennis starb am 7. Dezember 1993 - erschossen, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Er wurde - zusammen mit fünf anderen Menschen - Opfer eines Amokläufers in Garden City im US-Bundesstaat New York.

Der Tod ihres Mannes hat Carolyn McCarthy, Kongressabgeordnete der Demokraten in Washington, zu einer Advokatin für schärfere Waffengesetze gemacht. "Wir dürfen die Möglichkeiten, solche Tragödien zu verhindern, nicht weiter ignorieren", sagte die Politikerin nach dem Massaker in dem Kino von Aurora in Colorado, bei dem ein 24 Jahre alter Akademiker am Freitag zwölf Menschen getötet dutzende weitere verletzt hat.

Doch es wird wohl wieder nichts werden mit McCarthys Wunsch, den Amerikanern den Zugang zu Schusswaffen zu erschweren. So fragte kurz nach dem Amoklauf von Denver der republikanische Kongressabgeordnete Louie Gohmert aus Texas, ob ein bewaffneter Kinobesucher den Todesschützen womöglich hätte stoppen können.

Kaum ein Thema ist in den USA politisch so umstritten wie die Verschärfung der Waffengesetze. Präsident Barack Obama, der am Sonntag eine Trauerfeier für die Opfer des Amokläufers in Colorado besuchen wollte, hat im Wahlkampf 2008 zwar angedeutet, sich der Sache annehmen zu wollen. Doch geschehen ist nichts. Und bis zur Präsidentschaftswahl im November dürfte auch nichts mehr geschehen. Die Demokraten fürchten, von den Wählern bestraft zu werden. Und Obamas republikanischer Herausforderer Mitt Romney hat erst vor wenigen Wochen auf der Jahreshauptversammlung der einflussreichen Waffenlobby-Organisation NRA erklärt, dass er für den Fall seiner Wahl nichts am zweiten Verfassungszusatz aus dem Jahr 1791 ändern werde, der das Recht auf Waffenbesitz festschreibt. Die NRA mit ihren vier Millionen Mitgliedern leistet seit Jahren Lobbyarbeit. Umfragen zeigen, dass die Zahl der US-Amerikaner, die für eine Verschärfung der laxen Gesetze sind, über die Jahrzehnte hinweg gesunken ist. 1990 sprachen sich noch acht von zehn Befragten für strengere Vorschriften aus. 1999, nach dem Massaker an der Columbine High School in Colorado, waren es nur noch 60 bis 66 Prozent. Und nach dem Amoklauf an der Virginia Tech University im Jahr 2007 sank der Anteil auf 51 Prozent. Im Oktober 2011 ergab eine Umfrage, dass 73 Prozent der US-Bürger gegen ein Verbot des privaten Waffenbesitzes sind. "Es gibt politisch keinen Appetit auf ein umfassendes Waffenverbot", sagte Eugene Volokh, Jurist an der University of California in Los Angeles. Daran dürfte auch das Massaker von Denver wenig ändern.

In dem Vorort von Denver gelang es der Polizei am Wochenende, die letzten Sprengfallen in der Wohnung des mutmaßlichen Attentäters James Holmes zu entschärfen. Nach Angaben der Polizei hatte der als unauffälliger Einzelgänger beschriebene Mann dort etwa 60 explosive Vorrichtungen installiert, bevor er in dem Kino-Komplex in Aurora um sich schoss. Polizeichef Dan Oates erklärte, Holmes habe es offenbar darauf angelegt, noch mehr Menschen zu töten. Um Nachbarn aufzubringen, hatte der mutmaßliche Massenmörder vor dem Verlassen seiner Wohnung laute Musik angestellt. Eine Frau aus dem Haus entging nur deswegen dem Tod, weil sie Holmes' unversperrte Wohnungstür nicht öffnete, als sie sich über den Lärm in der Nacht beschweren wollte.

Der Doktorand der Neurowissenschaften soll seine Tat nach bisherigen Erkenntnis seit Monaten geplant haben. "Wir haben herausgefunden, dass der Verdächtige in den vergangenen vier Monaten viele Lieferungen erhalten", sagte Polizeichef Oates. Darunter seien Tausende von Patronen für Gewehre und Pistole gewesen sowie Material für den Bau von Sprengsätzen. Holmes soll heute dem Haftrichter vorgeführt werden.