Arzneimittelreport: Frauen werden zu oft Psychopharmaka verschrieben

26.06.2012 11:32 Uhr | Aktualisiert 26.06.2012 22:22 Uhr
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Medikamente

Frauen bekommen mehr Psychopharmaka und Männer mehr Herz-Kreislauf-Mittel. Hat das nur medizinische Gründe? (SYMBOLFOTO: DPA)

Frauen bekommen nach Einschätzung von Experten zu häufig Mittel gegen Depressionen und Schlafstörungen verordnet. Dem Arzneimittelreport der Krankenkasse Barmer GEK zufolge erhalten Frauen zwei- bis dreimal mehr Psychopharmaka als Männer.
Berlin/rtr. 

Solche Geschlechterunterschiede seien medizinisch kaum begründbar, sagte der Bremer Sozialforscher Gerd Glaeske am Dienstag bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Die Präparate würden bei Frauen in einer Menge verordnet, die auf Dauer zu erheblichen unerwünschten Wirkungen führen könne.

Laut Glaeske ist bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln inzwischen von rund 1,2 Millionen Abhängigen auszugehen, zwei Drittel davon seien Frauen im höheren Lebensalter. Bei Antidepressiva entstünden zudem nach längerer Einnahmezeit Probleme beim Absetzen. Glaeske beklagte, dass die Mittel mit hohem Abhängigkeitspotenzial inzwischen zunehmend auf privaten Rezepten verschrieben würden. Die Quote liege bei über 50 Prozent. Die Mediziner wollten so umgehen, dass sie mit den bedenklichen Verordnungen in den Statistiken der gesetzlichen Kassen und Kassenärztlichen Vereinigungen auftauchten.

Ein Grund für die häufigeren Verschreibungen von Psychopharmaka an Frauen liegt Glaeske zufolge auch darin begründet, dass diese öfter einen Arzt aufsuchen. Außerdem seien Frauen eher als Männer bereit, über psychische Belastungen zu sprechen und sich ärztlichen Rat zu holen. „Das Risiko, auch bei Missbefindlichkeiten im Alltag Arzneimittel verordnet zu bekommen, ist allerdings relativ hoch“, sagte der Professor vom Zentrum für Sozialpolitik der Uni Bremen. „Frauen scheinen an ihrer Psyche zu leiden, Männer an ihrem Körper.“

Auch insgesamt werden Frauen der Studie zufolge mehr Arzneimittel verordnet - 22,3 Prozent mehr als Männern. Der Bericht beklagt darüber hinaus unter anderem die Verordnung teurerer aber nicht wirksamerer Antibiotika durch Zahnärzte.