Bildungsministerin: Experte bekräftigt Vorwürfe gegen Schavan

03.05.2012 19:47 Uhr | Aktualisiert 05.05.2012 15:09 Uhr
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Anette Schavan

Anette Schavan wehrt sich gegen die Vorwürfe. (FOTO:DPA)

Von Holger Schmale
Den im Internet erhobenen Plagiatsvorwürfen gegen Bundesbildungsministerin Anette Schavan (CDU) wird in der Unionsführung kein Glauben geschenkt.
Berlin/MZ. 

Er kenne sie und ihre Arbeitsweise so lange, dass er sich schlicht nicht vorstellen könne, dass sie bei ihrer Doktorarbeit so unsauber wie behauptet zitiert habe, sagte ein Mitglied der engsten CDU-Führung.

In dem anonymen Internetportal werden der Ministerin vor allem mangelhafte Quellenverweise vorgehalten. Sie hat die Vorwürfe zurückgewiesen und die Universität Düsseldorf, an der sie 1980 promoviert hat, gebeten, die Arbeit zu überprüfen.

Ein Sachverständiger für Plagiatprüfungen sieht allerdings ernste Verfehlungen. Bestätigten sich alle Vorwürfe, sagte Privatdozent Stefan Weber der "Leipziger Volkszeitung", "hat Frau Schavan methodisch plagiiert, das heißt, systematisch immer wieder ab- und umgeschrieben". Es handele sich dann deutlich um wissenschaftliches Fehlverhalten. "Auch die Täuschungsabsicht ist bereits anhand des Textvergleichs nachweisbar", sagte Weber nach einem ersten "akribisch durchgeführten" Textvergleich anhand der im Internet offen gelegten Quellen.

Schavans Arbeit war auch schon ins Visier der bekannten Plagiate-Plattform VroniPlag geraten. Allerdings haben sich deren Verantwortliche nach den Worten von VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder gegen die Veröffentlichung der Vorwürfe entschieden. Offenbar seien Umfang und Schwere der Vorwürfe nicht mit den schweren Plagiaten anderer Politiker zu vergleichen. "Einige Stellen in Frau Schavans Arbeit sind aus meiner Sicht ganz klar Plagiate, aber insgesamt handelt es sich um keinen zweiten Fall Guttenberg." Der CSU-Politiker musste vor einem Jahr als Verteidigungsminister zurücktreten.

Dass man auch mit schwerwiegenden Verstößen gegen wissenschaftliche Arbeitsregeln politisch überleben kann, zeigt derweil der Fall des Berliner CDU-Fraktionschefs Florian Graf. Obwohl ihm die Universität Potsdam den Doktortitel auf eigenen Antrag wegen Täuschung aberkannte, sprach ihm die CDU-Fraktion in geheimer Abstimmung mit 30 von 34 Stimmen ihr Vertrauen aus.

Nach den Worten des Berliner CDU-Vorsitzenden und Innensenators Frank Henkel hat Graf sich in der nur rund 30-minütigen Fraktionssitzung entschuldigt, Demut und Reue gezeigt. Er sei eine integre Persönlichkeit, fachlich kompetent und pflege einen menschlichen Umgang. Der Fraktionschef habe eine zweite Chance verdient, und er sei sicher, dass er sie nutzen werde. Im Unterschied zu anderen Fällen habe Graf auch keine Salamitaktik angewendet, sagte der Senator, sondern den Fall von sich aus geklärt.