Bundesregierung: Röttgen wies Merkels Rücktrittsforderung zurück

17.05.2012 09:03 Uhr | Aktualisiert 17.05.2012 22:07 Uhr
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Angela Merkel und Norbert Röttgen

Angela Merkel und Norbert Röttgen (ARCHIVFOTO: DPA)

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Norbert Röttgen (beide CDU) sollen unmittelbar vor der Entlassung Röttgens heftig aneinander geraten sein.
Düsseldorf/Köln/dapd. 

Die Düsseldorfer „Rheinische Post“ berichtete, Merkel habe Röttgen am frühen Dienstagabend zu einem Gespräch ins Kanzleramt gebeten und ihm den Rücktritt nahegelegt. Der CDU-Politiker habe sein Ministeramt aber nicht abgeben wollen.

Die Zeitung schrieb, Röttgen habe Merkel vorgeworfen, ihn nach der verbalen Attacke von CSU-Chef Horst Seehofer nicht genügend unterstützt zu haben. Merkel habe Röttgen nach dem knapp einstündigen Gespräch schließlich eine Nacht Zeit gelassen, um über den Rücktritt nachzudenken. Röttgen sei aber auch am Mittwochfrüh bei seiner Haltung geblieben. Nach der Kabinettssitzung habe Merkel Röttgen zur Seite genommen und ihm die Entlassung mitgeteilt. Die Entscheidung Merkels sei ein Prozess von zwei Tagen gewesen.

Indessen reklamiert die nordrhein-westfälische CDU einen der Stellvertreterposten von Bundeschefin Angela Merkel für sich, falls Röttgen auch sein Amt als CDU-Bundesvize niederlegen sollte. „Wir werden weiter darauf bestehen, als stärkster Landesverband auch künftig prominent in der Parteispitze vertreten zu sein“, sagte der Generalsekretär der NRW-CDU, Oliver Wittke, dem Blatt. Röttgen hatte nach der Wahlniederlage der CDU am Sonntag seinen Rückzug vom Amt des Landesvorsitzenden angekündigt.

Der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth sieht in der Entlassung Röttgens langfristig eine Gefahr für die CDU-Vorsitzende. „Eine Parteichefin, die so abrupt den Stab über einen langjährigen Mitstreiter bricht, verbreitet auf Dauer nicht Wohlgefühl und Vertrauen, sondern Furcht und Schrecken“, sagte Langguth dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht. Um solche Führungsfiguren werde es „irgendwann sehr einsam“.

Langguth deutete Merkels Entscheidung als Signal des Entgegenkommens in Richtung von CSU-Chef Horst Seehofer und des Unionsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU). Insbesondere Seehofer hatte Röttgen nach der Wahlniederlage in NRW scharf angegriffen und indirekt die Kanzlerin in Mithaftung für die schlechte Performance genommen.