Bundesregierung: Röttgen wird offiziell entlassen

22.05.2012 11:08 Uhr | Aktualisiert 22.05.2012 21:53 Uhr
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Merkel, Altmaier und Röttgen

Bundeskanzlerin Merkel schüttelt dem scheidenden Umweltminister Röttgen (r) die Hand. Dahinter dessen Nachfolger Peter Altmaier. (FOTO: DPA)

Von Daniela Vates
Der CDU-Politiker Peter Altmaier ist von Bundespräsident Joachim Gauck zum neuen Bundesumweltminister ernannt worden. Dem scheidenden Ressortchef Norbert Röttgen wurde die Entlassungsurkunde überreicht.
Berlin/MZ. 

Wohin nur mit dem Blick? Zur Seite eigentlich, nach links, da bekommt Norbert Röttgen (CDU) gerade vom Bundespräsidenten seine Entlassungsurkunde überreicht. „Für treue Dienste“, sagt Joachim Gauck. Nein, Angela Merkel (CDU) blickt doch lieber schnell wieder nach vorne, nach unten, noch einmal kurz einen Blick aus den Augenwinkeln. Röttgen sieht in ihre Richtung. Schnell wieder wegschauen.

Erstes Wiedersehen mit Merkel

Knapp vier Minuten dauert die Zeremonie im Bundespräsidialamt. Danach ist Röttgen nicht mehr Minister und Peter Altmaier (CDU) sein Nachfolger. Nur zwei Jahre und acht Monate hat Röttgen gehabt im Amt, dann war er für Merkel nicht mehr das Symbol für eine moderne CDU, die auch für die Grünen interessant sein kann, sondern das Symbol einer Niederlage. Vergangenen Mittwoch hat sie ihn aus dem Kabinett geschmissen. Im Präsidialamt sehen sich die beiden erstmals wieder.

Mit wenigen Worten hatte Merkel den Rauswurf begründet, sich ein Danke abgerungen. Im Präsidialamt hat nur der Präsident das Wort. Er überschüttet Röttgen mit Wärme. Er spricht von Röttgens Verdiensten und von leidenschaftlichem Einsatz. Röttgen habe sich im Klima- und Umweltschutz einen Namen gemacht. Er habe früher als andere erkannt, dass es Zeit sei für eine Energiewende, sagt Gauck. In der Union hatte man den Rauswurf damit begründet, dass Röttgen die Energiewende nicht hinbekommen könne. Man kann Gauck so verstehen, dass er nicht dieser Meinung ist. Er wünsche sich, dass Röttgen sich auch künftig „für unser Gemeinwesen“ engagieren werde, sagt Gauck. Röttgen nickt.

Zumindest äußerlich ist der Gestürzte der Entspannteste der vier, die da neben der Deutschlandfahne stehen. Am Vorabend hat er sich mit den NRW-Bundestagsabgeordneten getroffen und Unterstützung bekommen. Es gibt Gerüchte, Röttgen plane einen Rachefeldzug.

Mahnung des Bundespräsidenten

Gauck hat noch zwei weitere Botschaften mitgebracht. Er will dem Ministertausch die Schwere nehmen. Verantwortung in Demokratien sei Verantwortung auf Zeit, sagte er. Dann begrüßt er Altmaier und lobt dessen „geistige Kraft und innere Ruhe“. Er verbindet es mit einer Mahnung ans Kabinett. „Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen gemeinsam handeln, um das gesetzte Ziel zu erreichen.“ Davon kann Röttgen sich - rückwirkend - genauso angesprochen fühlen wie Merkel.