Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" stehen nicht mehr die einzelnen deutschen Steuersünder im Mittelpunkt des Interesses der Fahnder, sondern die "erste Papierspur" nach Singapur. Dort soll das Geld deutscher Steuerhinterzieher in Sicherheit gebracht werden. Angeblich ist man auf Schulungsmaterial gestoßen, wie Mitarbeiter der UBS bei Kunden dafür werben sollen, ihr Geld vor den Finanzämtern zu verstecken. UBS und Schweizer Bankenverband bestreiten die Vorwürfe.
Der frühere Schweizer Nationalrat Rudolf Strahm, der die SPD bei der Entwicklung ihrer Strategie zum Steuerabkommen beraten hat, warnte schon im Juni: "Einige Schweizer Banken haben in Singapur und anderswo bereits ihre Auffangfilialen aufgebaut."
Wer Singapur mit mehr als 30 000 US-Dollar Bargeld besucht, muss einen Fragebogen ausfüllen, in dem es heißt: "Es handelt sich nicht um Devisenkontrolle. Wir wollen verhindern, dass Terror- oder Drogengelder ins Land kommen." Dies ist eine der Methoden, mit denen der über vier Millionen Einwohner zählende Stadtstaat verhindern will, dass internationale Fahnder seinen Bankern genau auf die Finger schauen. Dabei zählt Singapur, dessen autoritäre Regierung Ende der 90er Jahre nach der asiatischen Finanzkrise ein internationales Finanzzentrum schufen, seit mehr als zehn Jahren zu den wichtigsten Verstecken für Reichtümer aus aller Welt. Rund 18 000 Indonesier parken allein rund 87 Milliarden US-Dollar in Singapur. Der Stadtstaat reagierte nie auf die Forderungen aus Jakarta, das aus vielen Unternehmen gestohlene Geld zurückzuzahlen.
Auch im Fall Birma hielt sich Singapur nie an internationale Sanktionen. Im Gegenteil: Wer Geschäfte per Kreditkarte abwickeln wollte oder bare US-Dollar brauchte, konnte bei Hotelunternehmen aus Singapur anklopfen. Gegen sieben Prozent Aufschlag machten diese Häuser möglich, was offiziell nicht ging. Dass ausgerechnet der "Saubermann-Staat", der sogar der Verkauf von Kaugummi untersagt, zu den führenden Adressen für Steuerflüchtlinge aus Europa geworden ist, liegt zudem an einem strengen Steuergeheimnis. Wer redet, riskiert mehrere Jahre Gefängnis und 100 000 US-Dollar Geldstrafe. Nur in Singapur erwirtschaftete Gewinne müssen gegenüber dem lokalen Finanzamt erklärt werden.
Die Behörden holten sich bei einem Treffen mit internationalen Bankiers aus aller Welt im Jahr 2001 fachmännischen Rat, wie sie den Stadtstaat in ein paradiesisches Vermögensversteck verwandeln könnten und setzten deren Vorschläge in die Praxis um. So wurde Singapur zur ernsthaften Konkurrenz zum bis dahin unangefochtenen asiatischen Finanzzentrum Hongkong. Da streng überprüft wurde, woher die Geldströme kamen, vermied Singapur das Dilemma vieler Banken in der Karibik und Panama. Dort versickerte jede Menge Drogengeld zwischen den Konten wohlhabender Steuerflüchtlinge.