China: Blinder Aktivist entflieht Hausarrest

27.04.2012 10:22 Uhr | Aktualisiert 27.04.2012 10:23 Uhr
Drucken per Mail
Chen Guangcheng

Der chinesische Bürgerrechtsaktivist Chen Guangcheng (FOTO: DAPD)

Der blinde chinesische Bürgerrechtsaktivist Chen Guangcheng ist nach eineinhalb Jahren Hausarrest seinen Bewachern entkommen.
Peking/dapd. 

Die Aktivistin He Peirong sagte am Freitag, sie habe Chen an einen «relativ sicheren Ort» gebracht. Die Staatssicherheit fahnde seit Donnerstag nach ihm, eine Garantie für seine Sicherheit gebe es nicht. Chen sei am Sonntag aus seinem Haus im Dorf Dongshigu in der Provinz Shandong geflohen, teilten Aktivisten in China und im Ausland am Freitag mit.

Der Bürgerrechtsanwalt gilt als eine der Schlüsselfiguren der chinesischen Bürgerrechtsbewegung. Er ist seit einer Erkrankung in seiner Kindheit blind und setzte sich gegen Zwangsabtreibungen und -sterilisationen ein. Bis September 2010 verbüßte er deswegen eine vierjährige Haftstrafe, seither stand er ohne rechtliche Grundlage unter Hausarrest. Mehrfach drangen Behördenvertreter in das Haus ein und verprügelten Chen. Sein Schicksal wurde auch im Westen aufmerksam verfolgt.

Aktivistin He wies einen Medienbericht zurück, wonach sich Chen am Donnerstag in die US-Botschaft in Peking begeben habe. Die Botschaft lehnte eine Stellungnahme ab.

Familienmitglieder verprügelt

He sagte, Behördenvertreter seien in das Haus von Chens Bruder eingedrungen. «Sie haben alle Familienmitglieder verprügelt, die zu Hause waren.» Bob Fu, ein in Texas ansässiger Aktivist mit Kontakten zu Chens Familie, sagte, ein Neffe und der Vater Chens seien von Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen worden. Die Sicherheitskräfte seien mit Elektroschockgeräten ausgerüstet gewesen. Soldaten hätten das Anwesen der Familie in Dongshigu umstellt und verhinderten, dass der kranke sechsjährige Sohn des Neffen ins Krankenhaus gebracht werden könne. Fu erklärte, Chen wolle China nicht verlassen: «Er will bleiben und kämpfen.»