Abhilfe soll nun ein neues Forschungsprojekt des Forschungsverbandes SED-Staat an der Freien Universität Berlin schaffen.
In Auftrag gegeben haben das mit einer halben Million Euro veranschlagte dreijährige Vorhaben die Bundesregierung und die Länder Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen. 355 000 Euro an finanzieller Unterstützung kommen dabei allein aus dem Haushalt von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), 45 000 Euro steuert das Kultusministerium Sachsen-Anhalt bei. "Wir dürfen den Blick vor der Vergangenheit nicht verschließen", sagte Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) anlässlich der Projektvorstellung am Freitag in Berlin. "Es ist unsere Verantwortung gegenüber kommenden Generationen, die Menschen, die dort getötet wurden, nicht zu vergessen und ihrer zu gedenken."
Dazu wird ein Team von bis zu sechs Wissenschaftlern um den Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat, Professor Klaus Schroeder, zunächst die Zahl der Toten entlang der ehemaligen Landesgrenzen außerhalb von Berlin recherchieren und anschließend mit Hilfe von Zeitzeugen im einzelnen genauer rekonstruieren. Die Fluchten über die Ostsee und die Zeit zwischen 1945 und 1949 werden wegen des erhöhten Rechercheaufwandes zunächst ausgeklammert. Bis 2015 soll dann nicht nur eine offizielle Zahl der Grenztoten bekannt sein, sondern auch ein Totenbuch mit Kurzbiographien der Opfer veröffentlicht werden. Ein solches war bereit 2009 zu den Opfern der Berliner Mauer erschienen, darin wurden 136 Mauertote gelistet.
Ein Teilprojekt der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn wird zudem als wichtiger Bestandteil des Gesamtvorhabens exemplarisch anhand des Bezirkes Magdeburg die Repressionsmaßnahmen gegen DDR-Bürger untersuchen, die Fluchtversuche unternommen oder geplant hatten. Die Ergebnisse werden zusammen mit ausgewählten Einzelschicksalen dann im Rahmen der Gesamtstudie präsentiert und von den Gedenkstätten Marienborn und Moritzplatz Magdeburg für die politische Bildung aufbereitet.
Bemängelt wurde bei der Projektvorstellung die fehlende Beteiligung der anderen Bundesländer. "Die Aufarbeitung der Opfer der innerdeutschen Grenze ist keine ostdeutsche Aufgabe, sondern eine gesamtdeutsche Verpflichtung", sagte dazu der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (CDU). Und auch Kultusminister Dorgerloh zeigte sich enttäuscht: "Da hätte ich mir mehr Engagement gewünscht."