Entschädigung: Ehemalige Heimkinder enttäuscht

04.06.2011 10:13 Uhr
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Missbrauchsbeauftragte Christine Bergmann

Christine Bergmann: Ehemalige Heimkinder haben enttäuscht auf die Empfehlungen der Regierungsbeauftragten zur Entschädigung von Opfern sexuellen Missbrauchs reagiert. (FOTO: DPA)

Ehemalige Heimkinder haben enttäuscht auf die Empfehlungen der Regierungsbeauftragten Christine Bergmann zur Entschädigung von Opfern sexuellen Missbrauchs reagiert. «Der Vorschlag, auf freiwilliger Basis Entschädigungen zu leisten, ist völlig indiskutabel», sagte der niedersächsische Sprecher der Betroffenen, Jürgen Beverförden.
Osnabrück/dpa. 

Ehemalige Heimkinder haben enttäuscht auf die Empfehlungen der Regierungsbeauftragten Christine Bergmann zur Entschädigung von Opfern sexuellen Missbrauchs reagiert. «Der Vorschlag, auf freiwilliger Basis Entschädigungen zu leisten, ist nach den Erfahrungen der Heimkinder mit Kirchen und Verbänden völlig indiskutabel», sagte der niedersächsische Sprecher der Betroffenen, Jürgen Beverförden, der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). Er forderte «ein Entschädigungsgesetz für alle Missbrauchsopfer, das einen festen Entschädigungskatalog festlegt».

Die Vorschläge Bergmanns sollen am Montag dem Runden Tisch der Bundesregierung zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs vorgestellt werden. Die Missbrauchsbeauftragte hat empfohlen, sich bei der Entschädigung der Opfer an der Schmerzensgeldtabelle zu orientieren, die Summen von 1500 Euro bis zu 50 000 Euro vorsehe. Eine konkrete Summe nannte sie bei der Vorstellung ihres Abschlussberichts aber nicht.

Beverförden vertritt ehemalige Heimkinder in Niedersachsen, die in den 1950er und 1960er Jahren unter Demütigungen, Gewalt und Arbeitszwang, aber auch unter sexuellem Missbrauch gelitten haben. Er warnte vor den Folgen unverbindlicher Empfehlungen. «Wir sind gegen die drohende Bürokratisierung und gegen eine unendliche Zahl individueller Gerichtsverfahren», sagte er. Zudem beharrten die ehemaligen Heimkinder auf einem gemeinsamen Entschädigungsfonds von Staat, Kirchen und Verbänden.