Ein Mann hat 100-Euro-Scheine aus einem Geldautomaten gezogen. Viele Griechen horten ihr Bargeld lieber zu Hause. Keiner weiß, was kommt. (FOTO: RTR)
Was wollen die Griechen wirklich?
Über 80 Prozent wollen den Euro behalten, aber eine Lockerung der strengen Sparvorgaben erreichen. Keine Partei - auch die als mögliche Wahlsieger gehandelte linke Syriza-Partei nicht - plant eine Abschaffung des Euro. Allerdings will man die bisherigen Vereinbarungen über Reformen aufkündigen und neu verhandeln.
Wie reagieren die EU-Kommission und die Euro-Zone?
"Wir halten an den Auflagen fest", hat Währungskommissar Olli Rehn noch einmal betont. Das ist auch die Linie der anderen 16 Euro-Länder - offiziell. Denn diese Deutlichkeit hat mit Taktik zu tun: Vor den Wahlen will niemand von der harten Linie abrücken. In Brüssel wird fest damit gerechnet, dass die Troika (Vertreter der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank, des Internationalen Währungsfonds) mit einer neuen Regierung auch neue Gespräche führen wird.
Was passiert am Montag nach der Wahl?
Es beginnt die verfassungsrechtliche Routine in Hellas. Der griechische Staatspräsident beauftragt den Gewinner der Wahl mit der Regierungsbildung. Zur Bildung einer Koalition bleiben 72 Stunden. Kann der Wahlsieger kein Bündnis bilden, wird der Auftrag zur Regierungsbildung an den zweiten der Wahl übergeben. Unsicher ist aber, ob es wirklich zu klaren Verhältnissen kommt.
Wann entscheidet sich denn, wie es mit Griechenland weitergeht?
Nach einer Regierungsbildung wird es Gespräche mit der Troika geben. Sollte die dann amtierende Regierung die bisherigen Abmachungen aufkündigen und keine neuen vereinbaren, droht Brüssel mit der Einstellung der Hilfszahlungen, so dass das Land pleite wäre. Für diesen Fall wird spekuliert, dass die Hellenen wieder zur Drachme greifen könnten.
Warum sollten die Griechen das tun?
Weil sie dann eine eigene Währung hätten, die sie auf- oder abwerten könnten. Die Euro-Partner können Athen aber aufgrund der geltenden Verträge den Euro nicht wegnehmen. Das Land müsste schon selbst den Austritt aus der Währungsunion erklären. Aufgrund der Vertragslage wäre damit aber auch ein Ende der EU-Mitgliedschaft verbunden, so dass die meisten Finanzexperten diese Aufkündigung für unwahrscheinlich halten.
Es wäre doch denkbar, dass Athen in eine Staatspleite abrutscht, aber trotzdem einen Ausstieg aus dem Euro ablehnt?
Das ist jenes Szenario, vor dem man in Brüssel besonders große Angst hat, weil Europa dann regelrecht in Geiselhaft genommen würde. Am Ende stünde eine erzwungene Transfer-Union, was bedeutet: Der wohlhabende Norden hält den verschuldeten Süden am Leben. Aber auch in Athen weiß man, dass das nicht funktionieren würde. Der IWF müsste seine Zahlungen einstellen, weil diese laut Statut an Reformen gekoppelt sind. Das Gleiche gilt für die beiden europäischen Notkassen EFSF und ESM.
Welche Folgen hätte ein Austritt aus dem Euro für die übrige Währungsunion?
Die direkten Ausfälle allein für Deutschland werden auf rund 80 Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kämen spürbare Einbrüche des Wirtschaftswachstums. Diese Konsequenzen machen klar: Eine Rettung des Landes wäre für die Euro-Partner selbst dann, wenn sie dabei draufzahlen, auf Dauer billiger, als eine Staatspleite zu provozieren. Ganz abgesehen davon, dass man aus politischen und strategischen Gründen alles tun müsste, um Griechenland irgendwie wieder zu stabilisieren. Denn das Land an der Südspitze Europas ist ein Vorposten Richtung islamische Welt. Europas Hilfe würde also auch nach einem Austritt aus der Währungsunion weitergehen müssen. Da erscheint es günstiger, sich auf etwas moderatere Reformauflagen zu verständigen und den - übrigens verständlichen - Forderungen der Griechen nachzugeben.