Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (rechts) und sein Herausforderer François Hollande (links) mit Moderatoren beim Fernsehduell. (FOTO: DAPD)
Es muss schon hoch hergehen, wenn sich Spitzenpolitiker über ihre Spitznamen aufregen: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy beschwerte sich darüber als "Franco" und "Madoff" verunglimpft worden zu sein, François Hollande konterte, die politischen Gegner hätten ihn als "Fisch und anderes Getier" beschimpft. Keine Frage, dieses Fernsehduell war unerwartet reich an emotionalen und persönlichen Ausbrüchen. Vor allem zeigte die drei Stunden andauernde Debatte neue Seiten an beiden Politikern: Der sonst so kämpferische und redegewandte Sarkozy geriet in die Defensive, Hollande führte Sarkozy mehrfach mit seiner durchwachsenen Regierungsbilanz vor.
Dabei muss Sarkozy selbst überrascht über die Angriffslust seines Gegners gewesen sein: Siegesgewiss forderte er noch vor wenigen Tagen drei direkte Duelle ein. Dieses aber dürfte ihm kaum gefallen haben. Auch wenn erwartungsgemäß beide Parteien am Donnerstagmorgen ihren Kandidaten als Sieger ausgerufen haben, so waren sich doch die Kommentatoren französischer Medien weitgehend einig: Hollande hat das Duell für sich entschieden.
Vor allem die zuvor von Sarkozy so kalkuliert aufgebaute Angst vor Migration zerstob. "Frankreich ist ein offenes Land und ich weiß selbst, wo ich herkomme", sagte Sarkozy, der aus einer ungarischen Familie stammt. Sarkozy bestand darauf, die Zahl der Einwanderer von 200 000 auf 100 000 zu halbieren und nicht-europäischen Migranten kein Wahlrecht auf lokaler Ebene einzuräumen. Hollande warf Sarkozy vor, willkürlich die Zahl der Einwanderer zu senken und damit auch "Familien von französischen Bürgern, ausländische Studierende und arme politische Flüchtlinge zu treffen." Eine Argumentation, die Sarkozy tatsächlich verstummen ließ. Sarkozy muss bei der Stichwahl die mit 18 Prozent im ersten Durchgang überraschend zahlreichen Anhänger des rechtsextremen Front National für sich gewinnen, um seinen Rückstand aufzuholen.
Auch die Debatte um die Energiepolitik nahm eine überraschende Wende: Mit 59 Meilern ist Frankreich das Land mit der höchsten Dichte an Atomkraftwerken (AKW) auf der Welt. Sarkozy verteidigte mit Nachdruck die Atompolitik: "Wir haben kein Gas und kein Öl, wir sind auf die Atomkraft angewiesen."
Hollande hingegen brachte einen bislang wenig bekannten Vorschlag: Frankreich solle doch international führend werden in dem Abbau von Atomkraftwerken, schließlich würden weltweit 400 AKW geschlossen. Auch dafür wolle er das nahe an der deutsch-französischen Grenze liegende AKW Fessenheim umgehend schließen, um dieses Fachwissen in die Welt zu exportieren. "Nur die Sonnenenergie und Windenergie machen uns wirklich unabhängig", sagte Hollande.
Bislang geben die Umfragen alle Hollande als Favoriten an. Das Fernsehduell dürfte dem Sozialisten neuen Rückenwind gegeben haben. Wie der kommende Präsident Frankreichs heißt, wird aber erst am Sonntag um 20 Uhr feststehen.