Familienministerium: Ruhestand für die Frauenquote

17.07.2012 00:05 Uhr | Aktualisiert 17.07.2012 00:05 Uhr
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Eva-Maria Welskop-Deffaa

Eva-Maria Welskop-Deffaa (FOTO: DAPD)

Von Katja Tichomirowa
Die Frauenquote ist ein dehnbarer Begriff. Die einen wollen sie verbindlich, die anderen offen und wieder andere gar nicht gestalten. Frauen- und Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hätte sie gern flexibel. Wie das aussehen könnte, zeigt ein Blick in die Personalstruktur des Familienministeriums. Dort wurde gerade die letzte Frau unter fünf Abteilungsleitern in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
BERLIN/MZ. 

Mit mangelnder Qualifikation oder fehlender Einsatzbereitschaft scheint die Frühverrentung von Eva Maria Welskop-Deffaa (53), bisher Leiterin der Abteilung für Gleichstellung und Chancengleichheit, nichts zu tun gehabt zu haben. Sie gilt als hochkompetent, gut vernetzt und engagiert. Die Reaktionen reichen deshalb von "Verwunderung" bis "Entsetzen".

Die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen wandte sich in einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und beklagte den Verlust einer "äußerst kompetenten, gut informierten und strategisch klugen Ansprechpartnerin". Man befürchtet, dass mit ihr die letzte Ansprechpartnerin für Frauenpolitik das Ministerium verlässt.

Das zeitgleich der Aufstieg ihres Kollegen Lutz Stroppe vom Abteilungsleiter "Kinder und Jugend" ins Amt des Staatssekretärs verkündet wurde, sorgte für zusätzlichen Ärger, denn im eigenen Haus handhabt Familienministerin Kristina Schröder die Frauenquote inzwischen so flexibel, dass sie gleich ins Gegenteil verkehrt wird. Die oberste Führungsebene des Ministeriums ist unter Kristina Schröder bis auf eine Ausnahme mit Männern besetzt.

Eine Begründung für den Rauswurf von Welskop-Deffaa gab das Ministerium gestern auch auf Nachfrage nicht. Die wird es aber nachreichen müssen, denn Kerstin Griese (SPD) hat eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt.