Rückenwind vom FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher: «Christian Lindner steht für eine neue, moderne, weltoffene FDP». (FOTO: DPA)
Genscher betonte in der Zeitung „Die Welt“ zugleich, dass seine Anerkennung für Lindner, den FDP-Spitzenkandidaten in Nordrhein-Westfalen, nicht als Attacken gegen Parteichef Philipp Rösler zu werten seien. Klar grenzte Genscher seine Partei gegen Grüne und Piraten ab, die sich ebenfalls einen liberalen Anstrich geben.
Mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und NW zeigte sich Genscher zuversichtlich und begründete dies auch mit den FDP-Spitzenkandidaten Wolfgang Kubicki und Lindner. „Wolfgang Kubicki ist unvergleichlich. Er mischt ein ganzes Bundesland auf, ihn mögen selbst Leute, die keine seiner Meinungen teilen“, befand der FDP-Ehrenvorsitzende. Die Menschen trauten ihm zu, dass er ausspreche, was andere nur zu denken wagten.
Zwtl.: Lindner steht für eine neue FDP
Den ehemaligen Generalsekretär Lindner lobt Genscher in hohen Tönen. „Christian Lindner steht für eine neue, moderne, weltoffene FDP“, sagte der frühere Außenminister. Der Spitzenkandidat der Liberalen in Nordrhein-Westfalen habe die richtigen Konsequenzen aus der schweren Strukturkrise der Partei gezogen. „Die neue FDP, mit dem von Lindner geforderten neuen Denken, vertritt eine neue Haltung, sie ist keine Ein-Mann-Show, und sie ist keine Ein-Themen-Partei“, sagte Genscher. Er wolle Lindner „den Rücken stärken“ und damit „den Durchbruch zu neuen Ufern unterstützen“.
Als „abwegig“ bezeichnete Genscher Interpretationen, sein Wahlaufruf für Lindner in NRW sei als Attacke gegen Parteichef Rösler zu sehen. Es sei dessen Verdienst gewesen, die Konsolidierung der Staatsfinanzen Steuersenkungen voranzustellen. Eine FDP „mit neuem Geist und mit neuer Kraft“ wolle doch auch mit ganzem Herzen Rösler, „unser Vorsitzender“.
Zwtl.: Liberal nicht durch Selbsternennung
Genscher sprach zugleich Piraten und Grünen den Anspruch der Liberalität ab. „Liberal ist man durch Überzeugung und Haltung, aber gewiss nicht durch Selbsternennung“, sagte der ehemalige FDP-Vorsitzende. Die Piraten etwa vergäßen den Rahmen, in dem Freiheit sich entwickele. Freiheit bedeute keine Rechtlosigkeit, sondern Gerechtigkeit. Und bei den Grünen nehme der Hang zur Bürokratisierung und zur Bevormundung der Freiheit die Luft zum Atmen.
Unterdessen bescheinigte die Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, der FDP ein noch immer beachtliches Wählerpotenzial. „Immerhin 16 Prozent der Bürger halten die FDP für unverzichtbar, für 11 Prozent kommt es in Betracht, sie bei einer der nächsten Wahlen zu unterstützen“, sagte Köcher dem Nachrichtenmagazin „Focus“.