Frankfurt: Polizei verhaftet 150 «Blockupy» Protestierer

17.05.2012 14:49 Uhr | Aktualisiert 18.05.2012 13:39 Uhr
Drucken per Mail
Hauptbahnhof in Frankfurt

Blockupy-Aktivisten versammelten sich mit Zelten im Gepäck am Frankfurter Hauptbahnhof, um zum Römer zu laufen. (FOTO: DPA)

Von Jörn Poltz und Paul Carre
Mehr als 1000 Menschen haben am Donnerstag in Frankfurt friedlich gegen ein Versammlungsverbot und gegen die Politik in der Euro-Schuldenkrise demonstriert.
Frankfurt/Main/rtr. 

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben jedoch 150 Teilnehmer einer Kundgebung im Univiertel vorläufig in Gewahrsam, da sie gegen das von der Stadt erlassene Demonstrationsverbot verstoßen hätten. Auch die Teilnehmer von zwei weiteren Kundgebungen seien aufgefordert worden, ihre Versammlungsorte in der Innenstadt und am Hauptbahnhof zu verlassen.

Die Stadt hatte das mittlerweile von Gerichten bestätigte Verbot mit der Sorge vor gewaltsamen Ausschreitungen begründet, nachdem es bei Protesten gegen die europäische Krisenpolitik am 31. März in Frankfurt zu schweren Krawallen gekommen war. Für das Wochenende planen die Behörden mit dem Einsatz von bis zu 5000 Polizisten aus mehreren Bundesländern. Bis zu 40.000 Kapitalismusgegner werden erwartet - die Polizei befürchtet, dass sich darunter bis zu 2000 gewaltbereite Personen mischen.

Die unter dem Namen „Blockupy“ zusammengeschlossenen Veranstalter erklärten dagegen, die von der Stadt, der Polizei und dem hessischem Innenministerium entworfenen „Horrorbilder und Drohszenarien“ entbehrten jeder Grundlage. Das Demonstrationsverbot sei allein politisch motiviert. „Protest gegen die europaweite Verarmungspolitik wird am Bankenstandort Frankfurt mit allen Mitteln unterdrückt“, erklärte ein Sprecher des Bündnisses. Die Demonstranten machten daher von ihren Grundrechten vor der Frankfurter Paulskirche Gebrauch, dem symbolischen Ort der Demokratie in Deutschland.

Am Mittwoch hatte die Polizei ein Protestcamp vor der Europäischen Zentralbank (EZB) geräumt. Sie will Aktionen der kapitalismuskritischen Bewegung im Frankfurter Bankenviertel verhindern. Straßen um das 36-stöckige EZB-Hochhaus wurden weiträumig gesperrt, der Zugang zu den Zwillingstürmen der Deutschen Bank mit Bauzäunen verbarrikadiert, Bankfilialen ließen Rollgitter herunter.

Rund 40 Organisationen hatten für Mittwoch bis Samstag unter dem Schlagwort „Blockupy“ zu Protesten in Frankfurt gegen die Krisenpolitik von EU, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) aufgerufen. Unterstützt wird die Bewegung unter anderem von der Protestbewegung Occupy, Gewerkschaften, vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac und von linken Initiativen und Parteien. Unter anderem wollte die Bewegung Plätze besetzen und am Freitag die EZB und weite Teile des Bankenviertels lahmlegen.

Das Geschehen an der Frankfurter Börse, die trotz des Feiertags Christi Himmelfahrt geöffnet hatte, wurde nicht beeinträchtigt. „Es ist ja alles blockiert, zwar nicht von Blockupy, sondern von der Polizei. Aber eigentlich haben sie so längst erreicht, was sie wollten“, sagte ein Wertpapierhändler.