Fußball-Krawalle: Minister fordert einheitliche Verhaltensregeln für Fans

17.05.2012 09:15 Uhr | Aktualisiert 17.05.2012 22:03 Uhr
Drucken per Mail
Ausschreitungen

In Düsseldorf benahmen sich Berliner und Düsseldorfer Fans völlig daneben. (FOTO: DPA)

Von Martin Roy
Die Politik fordert Konsequenzen aus den jüngsten Ausschreitungen bei Fußballspielen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte von den deutschen Proficlubs, bis zum Start der neuen Fußballsaison Ende August einheitliche Verhaltensregeln für Fans zu beschließen.
Berlin/dapd. 

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer kritisierte den Ordnungsdienst von Fortuna Düsseldorf im Relegationsspiel für die erste Bundesliga gegen Hertha BSC.

Die Partie war am Dienstag zweimal unterbrochen worden, weil Fans Feuerwerkskörper zündeten und kurz vor Schluss auf das Spielfeld stürmten. Am Tag zuvor hatten Anhänger des Karlsruher SC nach dem Abstieg des Klubs aus der zweiten Bundesliga randaliert - 75 Menschen wurden verletzt.

Friedrich forderte von den Klubs ein entschlossenes Vorgehen gegen Gewalttäter. „Sie müssen ihren Fans klar machen, dass Gewalt nicht geduldet wird“, sagte der Minister dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Sie müssen ihnen außerdem klar machen, dass Pyrotechnik in Stadien nichts zu suchen hat.“ Friedrich verlangte außerdem, es dürfe keine Fan-Privilegien für Ultras und andere geben, wenn nicht endlich Ruhe und Ordnung einkehrten. „Alle 54 Profi-Vereine müssen sich noch vor Beginn der nächsten Saison auf diese Verhaltensregeln einigen“, forderte der Minister.

Zwtl.: CSU-Mann hält Ordner für Versager

CSU-Sportexperte Mayer wertete das Verhalten des Ordnungsdienstes von Düsseldorf im entscheidenden Spiel gegen Hertha als „strukturelles Versagen“. „Anstatt die Zuschauer vom Spielfeld fernzuhalten, wurden sie auf das Spielfeld gelassen“, sagte Mayer der „Passauer Neuen Presse. “Ein solches Verhalten ist nicht zu entschuldigen und muss durch die zuständigen Gremien deutlich sanktioniert werden.„ Besonders kritisierte er das Abbrennen von Feuerwerkskörpern. “Wer so die Gesundheit von Zuschauern und Sicherheitskräften gefährdet, hat in einem Fußballstadion nichts zu suchen„, befand das Mitglied des Bundestagssportausschusses.

Die Dortmunder “Ruhr Nachrichten„ (Donnerstagausgabe) berichteten vorab, die Zahl der Strafverfahren wegen des Abbrennens von Pyrotechnik bei Fußballspielen habe sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Nach Angaben der Zentralen Informationsstelle Sport beim Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg habe es in der Saison 2010/2011 817 solcher Verfahren gegeben. Vier Jahre zuvor seien es noch 304 gewesen. Statistisch erfasst würden nur Fälle, bei denen gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen werde.

Zwtl.: Forscher warnen vor bengalischen Rauchschwaden

Die Zeitung schrieb, nach Angaben der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin (BAM) entstünden bei der Verbrennung giftige Gase und Feinstäube in erheblichem Maße. Verbrannt würden bei solchen pyrotechnischen Fackeln unter anderem Metalle, Oxidationsmittel und chlorhaltige Verbindungen. “Das ist ein Riesenproblem„, sagte der Leiter des Arbeitsgebietes Pyrotechnik der BAM, Lutz Kurth, dem Blatt. Moderne Stadien seien zudem so gebaut, dass die Rauchschwaden nur schlecht abzögen. Daher wirke das Abbrennen von Feuerwerkskörpern beinahe so, als ob jemand ein bengalisches Feuer in einem geschlossenen Raum zünde. Menschen, die Pyrotechnik in Stadien abbrennen, nähmen billigend langfristige Schäden bei Dritten in Kauf, kritisierte Kurth.