Antje Vollmer konnte als Moderatorin des Runden Tisches nicht alle ehemaligen Heimkinder zufrieden stellen. (FOTO: DAPD)
Ein hartes Stück Arbeit liegt hinter ihnen. Das war allen Beteiligten des Runden Tisches Heimerziehung anzusehen, die am Montag auf dem Podium der Bundespressekonferenz saßen, um den Abschlussbericht ihres Gremiums der Öffentlichkeit vorzustellen. Der Vorgang war beispiellos, daran erinnerte Antje Vollmer, die den Runden Tisch als Moderatorin geleitet hatte, denn zum ersten Mal in der Geschichte des Bundestages hatte das Parlament im Februar 2009 nach zwei Jahren ergebnisloser Beratung die Aufgabe, Unrecht aufzuklären und zu entschädigen, an ein außerparlamentarisches Gremium verwiesen.
Es ging zu Anfang wie am Ende des Runden Tisches um die Frage, wie das Leiden der Heimkinder in den frühen Jahren der Bundesrepublik gesühnt werden kann. Und es ging um die Aufklärung von Rechtsverstößen, um die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, um Missbrauch und den Zwang zu unentgeltlicher Arbeit. Es waren Rechtsverstöße, damals wie heute, erklärte Vollmer, aber sie geschahen im Rahmen eines - wenn auch noch unvollkommenen - Rechtsstaats. "Der Rechtsstaat fordert eine zeitnahe Korrektur von Unrecht. Ist etwas verjährt, wird es in der Regel nur für die Zukunft korrigert." Eben das war die Schwierigkeit des Runden Tisches, eine Regelung zu finden, die den Opfern zu ihrem Recht verhilft, obgleich das, was ihnen angetan wurde, oft schon mehr als 30 Jahre zurückliegt.
Mit der Einrichtung zweier Fonds hat der Runde Tisch eine solche Regelung gefunden. Sie sollen mit insgesamt 120 Millionen Euro ausgestattet werden. 100 Millionen Euro sind vorgesehen für die Opfer von Folgeschäden der Heimerziehung. Mit 20 Millionen Euro sollen ehemalige Heimkinder entschädigt werden, denen während ihres Heimaufenthalts Rentenansprüche entgingen. Der Runde Tisch wird dem Bundestag zudem die Einrichtung von regionalen Anlaufstellen vorschlagen, die die Anträge der Betroffenen möglichst schnell und unbürokratisch bearbeiten sollen. Getragen werden sollen die Fonds zu je gleichen Teilen vom Bund, den Ländern und den Kirchen. Festgelegt wurde außerdem, dass die Summe der Entschädigungen aus den Fonds nicht gedeckelt ist, das Fondsvermögen also, sollte das nötig werden, auch mehr als 120 Millionen betragen kann.
Es ist eine Lösung, die nicht für alle Opfer befriedigend ist, das machte Hans-Siegfried Wiegand geltend, der als Vertreter der Heimkinder das Ergebnis des Abschlussberichts vertrat. "Wie haben nicht alles erreicht", sagte Wiegand, "aber wir haben viel erreicht." Die Opfervertreter hatten ursprünglich eine pauschale Entschädigung in Form einer monatlichen Rente von 300 Euro oder einer einmaligen Entschädigung von 54 000 Euro gefordert.
Der Verein ehemaliger Heimkinder kritisierte den Abschlussbericht des Runden Tisches scharf. Er sei "erzwungen und erpresst worden", erklärte der Verein während einer Pressekonferenz im Anschluss an die Vorstellung des Berichts. Man habe die Opfervertreter vor die Wahl gestellt, entweder das Ergebnis zu akzeptieren oder leer auszugehen. Der Verein will aber hart bleiben: "Wir gehen den Klageweg", kündigte die Vereinsvorsitzende Monika Tschapek-Güntner an.