Holocaust-Überlebender: Arno Lustiger im Alter von 88 Jahren gestorben

16.05.2012 20:48 Uhr
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Arno Lustiger

Der Historiker und Publizist Arno Lustiger ist im Alter von 88 Jahren gestorben. (ARCHIVFOTO: DPA)

Der Holocaust-Überlebende und Historiker Arno Lustiger ist tot. Das bestätigte der Zentralrat der Juden in Frankfurt am Mittwoch auf Anfrage. Lustiger starb am Dienstagabend im Alter von 88 Jahren.
Frankfurt/Main/dapd. 

Er soll am Freitag (18. Mai) auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt werden. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats, bezeichnete Lustiger als Vorbild, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nannte ihn einen „charismatischen Aufklärer“.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte, Lustiger habe nach dem Krieg mit der Mitbegründung der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt in einer schwierigen Zeit ein bedeutendes Zeichen der Hoffnung gesetzt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte Lustigers Beitrag, „den jüdischen Widerstand zur Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten“. Als Überlebender des Holocaust habe er mit beeindruckendem persönlichem Einsatz die Geschichte der Verfolgung der Juden an die jüngere Generation weitergegeben.

Der 1924 in Bedzin in Polen geborene Schriftsteller überlebte den Angaben des Zentralrats zufolge mehrere Konzentrationslager (KZ) und den Todesmarsch von einem Außenlager des Vernichtungslagers Auschwitz zum KZ Groß-Rosen in Niederschlesien. Im April 1945 floh Lustiger vor einem weiteren Todesmarsch und wurde von amerikanischen Soldaten gerettet. Seit Kriegsende lebte Lustiger in Frankfurt.

Lustiger habe mit seiner Forschung über den jüdischen Widerstand viel zur Aufklärung und Aufarbeitung beigetragen und den jüdischen Widerstand dem Vergessen entrissen, betonte Graumann. Das werde für alle Zeit Lustigers große Lebensleistung bleiben. „Seine Kraft zur Versöhnung wird uns immer ein Vorbild sein.“

Ministerpräsident Bouffier würdigte den Historiker ebenfalls. Er habe die „dunkelste Epoche unserer Geschichte“ auf kluge und tiefgründige Art und Weise beleuchtet. Den außergewöhnlichen Einsatz hatte das Land Hessen 1998 mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille gewürdigt. Lustiger haben sich mit großem Engagement um die Erinnerungskultur in Deutschland verdient gemacht, betonte auch Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU).

Auch Bundespolitiker lobten Lustigers Verdienste. Er habe mit seinen Beiträgen zur Erforschung der Geschichte des jüdischen Widerstands viel für Deutschland geleistet, betonten die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin. „Als Überlebender von Auschwitz hat er sich Zeit seines Lebens dafür eingesetzt, die Erinnerung an das Menschheitsverbrechen des Holocaust wach zu halten.“ Die Parteivorsitzende Claudia Roth ergänzte, Lustiger habe die „Spuren der Hoffnung im Kampf gegen die Nazi-Barberei“ dokumentiert.