Die Möbelkette Ikea will von der Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen klären lassen, ob bei Auftragsarbeiten in der früheren DDR politische Gefangene für Zwangsarbeit eingesetzt worden sind. (SYMBOLFOTO: DPA)
Laut der SVT-Internetseite fand ein Reporter der Sendung „Upp-drag Granskning“ Belege für die Zwangsarbeit in den 70er und 80er Jahren in Stasi-Unterlagen. Eine Ikea-Vertreterin sagte, das Unternehmen prüfe die Vorwürfe. „Wir haben Dokumente aus alten Stasi-Archiven angefordert und sprechen mit Leuten, die damals bei uns waren.“ Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass Ikea Häftlinge als Arbeiter angefordert habe. Die Sprecherin der Stasi-Unterlagen-Behörde, Dagmar Hovestädt, bestätigte, Unterlagen an Ikea gegeben zu haben. Demnach solle die „mögliche Ausnutzung von Häftlingen“ geklärt werden.
Der WDR hatte schon im Sommer 2011 berichtet, dass Ikea in den 70er Jahren Möbel in der DDR produzieren ließ. Dies belegten Stasi-Unterlagen aus dem ehemaligen VEB Sitzmöbelwerk Waldheim, wo zu Beginn der 80er Jahre zahlreiche Strafgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Zitiert wurde auch ein als politischer Häftling anerkannter Mann, der Scharniere und Beschläge für Ikea herstellte. Laut Stasi-Unterlagen hat es mindestens 65 Ikea-Produktionsstätten in der DDR gegeben.
Ikea-Gründer Ingvar Kamprad will davon nichts gewusst haben. Nach dem Ende der DDR wurde es Ikea nach Angaben des Senders WDR im Osten Deutschlands zu teuer. Wenige Jahre später habe das Unternehmen neue Produktionsmöglichkeiten in Nordkorea gesucht. Daraus sei nichts geworden, allerdings habe Ikea lange in Birma produziert, später dann in Weißrussland. Das 1943 gegründete Familienunternehmen ist der weltgrößte Möbelhersteller und machte im Jahr 2011 rund 25 Milliarden Euro Umsatz.
Der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sagte der MZ: „Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, dann sollte Ikea die Betroffenen entschädigen. Es reicht auch nicht aus, dass Ikea die Vorgänge selbst untersucht. Vielmehr sollte die Jahn-Behörde in der Angelegenheit ein Gutachten erstellen.“
Ikea sei zudem nicht allein. Von Zwangsarbeit in der DDR hätten viele Unternehmen profitiert. „Das Problem ist nie angefasst worden. Es wäre Aufgabe der Bundesregierung, Klarheit zu schaffen und Vorschläge für eine Entschädigung zu machen.“ Den Kreis der Anspruchsberechtigten für Entschädigungen bezifferte Knabe mit 100 000.