Islamistische Botschaft: Todesdrohung wird ernst genommen

22.05.2012 20:05 Uhr | Aktualisiert 22.05.2012 20:11 Uhr
Drucken per Mail
Die deutschen Sicherheitsbehörden zeigen sich alarmiert, nachdem ein Bonner Islamist am Wochenende in einem Drohvideo dazu aufgerufen hat, Mitglieder der rechtsgerichteten und ausländerfeindlichen Gruppierung Pro-NRW sowie kritische Journalisten zu töten.
Berlin/MZ. 

"Wir nehmen diese Drohung sehr ernst", hieß es im Bundesinnenministerium. Die zuständigen Landeskriminalämter in Düsseldorf, Berlin und Hamburg seien dabei, mögliche Betroffene zu informieren und weitere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

"Es gibt Hinweise, dass versucht wird, Pro-NRW-Mitglieder zu identifizieren und auszuspähen", hieß es im Bundeskriminalamt (BKA). Eine konkrete Bedrohung einzelner Personen sei bislang aber nicht festzustellen. Zuvor hatte der Bonner Islamist Yassir C. in einem Video, das am vergangenen Freitag auf mehreren Internetseiten veröffentlicht worden war, gesagt: "Wir erklären Pro-NRW den Krieg." In der siebenminütigen Tonbotschaft, die mit einem Standbild und Einblendungen von Koran-Suren unterlegt ist, nimmt C. direkten Bezug auf gewaltsame Zusammenstöße zwischen Salafisten in Solingen und Bonn und Pro-NRW-Demonstranten in den vergangenen Wochen. Die Demonstranten, die Mohammed-Karikaturen mitgeführt hatten, hätten den Propheten beleidigt, dies dürfe nicht tatenlos hingenommen werden. "Ich soll Euch sagen", so der Islamist, der seit fünf Jahren im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet vermutet wird, "ihr sollt die Mitglieder von Pro-NRW alle töten."

Ins Visier der Islamisten rücken zugleich die deutschen Medien, die an der "Kampagne" mitgewirkt hätten, insbesondere das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Lauert ihren Mitarbeitern auf, tötet sie und verpasst ihnen eine Lehre", verlangt C. in tadellosem Deutsch.

Die Sicherheitsbehörden sprechen von einer neuen Qualität der islamistischen Drohung, auch wenn unklar sei, ob C. tatsächlich mit Unterstützung der Islamischen Dschihad-Union agiere. "C. ist in der deutschen Islamisten-Szene durchaus hoch angesehen", sagte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter. Sie halten das Video für authentisch. Die Behörden fürchten, dass fanatisierte Einzeltäter sich durch solche Videos zu einem Anschlag motivieren lassen könnten.