Bundespräsident Joachim Gauck (M.) erhält in Mannheim beim Abschlussgottesdienst auf dem Ehrenhof des Schlosses einen offiziellen Katholikentagsschal. Links steht der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Alois Glück, rechts Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Grüne). (FOTO: DPA)
Bundespräsident Joachim Gauck hat an die Christen appelliert, sich stärker in der Politik zu engagieren. „Politik kann nicht heilig sein, aber sie ist auch keineswegs dazu verurteilt, schmutzig zu sein“, sagte er am Sonntag beim Empfang der Erzdiözese Freiburg zum Abschluss des Katholikentages in Mannheim. Mit ihrem Einsatz könnten Christen dazu beitragen, dass die politische Welt nicht verachtet werde.
Bereits jetzt gebe es etliche Christen in den deutschen Parlamenten, nicht wenige von ihnen seien durch die katholische Soziallehre geprägt worden. Gauck: „Alles politische Handeln findet in der katholischen Soziallehre eine ganz gute Richtschnur.“ Auch beim Sturz des DDR-Regimes hätten Christen an der Spitze des gesellschaftlichen Wandels gestanden - „was für ein schönes Erinnerungsbild.“
Der Protestant und ehemalige Pfarrer Gauck machte sich auch für die Ökumene stark. „Wir dürfen uns nicht vor Verschiedenheit fürchten.“ Protestanten und Katholiken sollten stärker Gemeinsamkeiten als Unterschiede herausarbeiten. „Ich träume davon, an Ihrer Eucharistiefeier einmal so teilzunehmen, dass ich Sie nicht störe, wenn ich hingehe“, sagte er. Bislang dürfen Protestanten nicht das Abendmahl in der katholischen Kirche empfangen, umgekehrt ist dies möglich.
Allerdings müssten die Kirchen den Begriff Ökumene weiter fassen - zu denen, die nicht glauben. Die Kirchen dürften sich nicht einmauern, sondern müssten „mit denen, die uns noch nicht verstehen, in Dialog treten“, sagte Gauck. Er sprach damit seine Erfahrungen in Ostdeutschland an, wo ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr kirchlich gebunden ist.
Nicht zuletzt würdigte Gauck die Arbeit der Ehrenamtlichen. „Wie wäre es um die Kirche bestellt, wenn Sie nur durch das geistliche Amt repräsentiert wäre.“ Die katholische Kirche tue gut daran, den Dialog mit den Laien zu suchen. In der Abschlusspredigt des Katholikentages sei häufig die Rede vom Geist des Dialogs gewesen. „Ich habe zahlreiche Bischöfe gesehen, die dazu geklatscht haben“, sagte Gauck unter großem Applaus der Gäste.