Finanzkrise - Die Ratings in der Eurozone. (GRAFIK: DPA)
Die internationale Ratingagentur Standard & Poor's (S & P) stufte die Kreditwürdigkeit des Landes wegen der schlechten Zukunftsaussichten erneut um zwei Noten herunter. Die spanische Misere spiegelt sich zudem in einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf den traurigen Rekordwert von 24,4 Prozent. Das sei "schrecklich", bekannte die konservative Regierung. Ministerpräsident Mariano Rajoy sprach von einer "sehr schwierigen und komplizierten" Lage.
Nach der neuen Abstrafung durch S & P treibt die Bewertung der finanziellen Vertrauenswürdigkeit Spaniens dem gefürchteten "Ramsch-Niveau" entgegen. S & P ließ Spaniens Kreditnote von A auf BBB+ rutschen. Das ist bereits sieben Stufen unter der Höchstbewertung AAA, die etwa Deutschland hält. Und nur noch drei Stufen über den "spekulativen Anlagen", mit denen etwa das Euro-Pleiteland Portugal gebrandmarkt ist. Der weitere Ausblick für Spanien "ist negativ", erklärte S & P, eine der drei großen Ratingagenturen, das Königreich müsse also mit einer weiteren Abstufung rechnen.
Der wachsende Verlust der Bonität bedeutet, dass die Aufnahme staatlicher Kredite am Finanzmarkt teurer wird. Zehnjährige Anleihen Spaniens wurden zuletzt mit etwa sechs Prozent Zinsen gehandelt. Das ist drei Mal mehr als für deutsche Anleihen fällig werden. Ein Zinssatz von sieben Prozent gilt als kritisches Niveau, das ein Staat für seine Schuldenfinanzierung nicht lange aushalten kann - und ab dem eine Rettungsaktion droht. Rajoy warnte, dass Spanien "in diesem Jahr mehr als 60 Milliarden Euro" an Krediten aufnehmen muss, um finanziell zu überleben.
Die Analysten von S & P sehen gleich mehrere "erhöhte Risiken" für die Zukunft. Dazu gehören die "Verschlechterung der Haushaltslage", nachdem Spanien das Defizitziel für 2011 nicht erreichte und ankündigte, auch für 2012 mehr Schulden zu machen, als ursprünglich vorgesehen. S & P bezeichnet es als "unwahrscheinlich", dass Madrid bis 2013 das Etatdefizit - wie versprochen - auf die Euro-Stabilitätsgrenze von drei Prozent drücken kann. Im vergangenen Jahr hatte Spanien ein Etatdefizit von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausgewiesen. Eine schrumpfende Wirtschaft mit sinkenden Steuereinnahmen erschwert zusätzlich die Lage.
Besondere Sorgen bereitet auch Spaniens Bankensektor, der faule Immobiliengeschäfte in Höhe von rund 180 Milliarden Euro verdauen muss. S & P geht von einer "wachsenden" Notwendigkeit aus, dass die Geldinstitute neue milliardenschwere Notkredite brauchen, was den Staatshaushalt weiter belasten könnte. Auch der Internationale Währungsfonds glaubt, dass in den Bankenbilanzen Verluste "versteckt werden".
"Wir sind dabei, die Fundamente für eine Erholung Spaniens zu legen", gibt sich Premier Rajoy optimistisch. Sein Kabinett verabschiedete ein dickes Spar- und Reformpaket, "um vorwärtszukommen". Dazu gehören Steuererhöhungen und harte Einsparungen auch bei Bildung, Gesundheit sowie sozialen Leistungen. Zudem wurde eine Arbeitsmarkt- und eine Bankenreform verabschiedet.