Linke: Bisky sieht die Partei als «Super-Horror-Show»

28.05.2012 11:38 Uhr | Aktualisiert 28.05.2012 21:04 Uhr
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Linkspartei

Wer soll künftig an der Spitze der Linkspartei stehen? Die Frage spaltet die Partei. (FOTO: DPA)

Wer soll künftig an der Spitze der Linkspartei stehen? Die Frage spaltet die Partei. Die Altvorderen sind entsetzt. Die Jüngeren streiten munter weiter.
Berlin/Dresden/dpa. 

Die Linke steuert auf eine Zerreißprobe zu. Wenige Tage vor dem Göttinger Parteitag ist keinerlei Annäherung im Streit über die künftige Führungsmannschaft in Sicht. Nach Ansicht des Politologen Werner Patzelt droht die Partei auseinanderzubrechen. „Hier fällt etwas auseinander, was nie zusammengehörte“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Die westdeutschen Dogmatiker gehören weder in die Tradition der staatstragenden SED noch der reformsozialistischen PDS.“

Die Linkspartei streitet seit Wochen darüber, wer beim Parteitag Anfang Juni in Göttingen den Vorsitz übernehmen soll. Für die Doppelspitze gab es zwischenzeitlich bereits neun Bewerber. Der frühere Parteichef Lothar Bisky sagte der „Sächsischen Zeitung“ (Samstag), der derzeitige Zustand der Linken erinnere ihn an eine „Super-Horror-Show“. Die Zustimmung in der Bevölkerung werde langsam, aber stetig geringer. „Und das kann tödlich werden.“

Bisky sprach sich erneut für Fraktionsvize Dietmar Bartsch als Vorsitzenden aus, wertete die anderen Kandidaturen aber als Bereicherung. Kein Parteiflügel könne gegen den anderen gewinnen, ohne die Partei zu zerstören, mahnte er. „Ein Sieg über den anderen bringt der Linken nichts. Man hat ja zum Glück nicht die Möglichkeit, die anderen nach Sibirien zu schicken oder in die Verbannung.“

Der thüringische Fraktionsvorsitzende Bodo Ramelow warnte Sahra Wagenknecht, die Lebensgefährtin des früheren Vorsitzenden Oskar Lafontaine, davor, auf einen alleinigen Sieg des linken Flügels zu setzen. „Wenn Sahra Wagenknecht sagt: Ich werde die Rache meines Lebensgefährten vollenden, dann wird uns das sehr schaden. Dann helfen auch die schönsten Talkshow-Auftritte nichts“, sagte Ramelow der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Wagenknecht ließ in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ erneut offen, ob sie beim Parteitag in Göttingen antreten wird. Sie sagte aber: „Ich mache mich für eine personelle Lösung stark, mit der die Partei und ihre Programmatik attraktiv und öffentlichkeitswirksam vertreten werden.“ Bartsch sagte, es gehe darum, die Flügel der Partei wieder zusammenzubringen. „Die neue Parteiführung muss auf und nach dem Parteitag eine gewaltige Integrationsleistung vollbringen.“

Auch Ramelow warb erneut für die Wahl von Bartsch. Ramelow warf dem derzeitigen Parteichef Klaus Ernst vor, er habe die Führungsdebatte eskalieren lassen, statt sich im Januar oder Februar rechtzeitig um eine einvernehmliche Lösung zu kümmern. „Klaus Ernst hat total versagt.“

Fraktionsvize Ulrich Maurer Maurer plädierte für mehr Frauen in verantwortlichen Positionen. „Die Böcke, denen es nur um ihr eigenes Ego geht, sollten sich vom Acker machen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. In der Debatte um den Bundesvorsitz hält Maurer Wagenknecht für die charismatischste und begabteste Politikerin, wollte sich aber nicht für eine der Bewerberinnen aussprechen. „Damit würden wieder Machtspiele eröffnet“, sagte er mit Blick auf die Kandidatur des Frauenduos Katharina Schwabedissen und Katja Kipping.

Der Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer hält eine Spaltung der Linken für „eher unwahrscheinlich“. Allen in der Partei sei klar, dass sie wenn überhaupt nur gemeinsam eine Chance haben, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Was ich realistischer sehe, ist, dass es wieder zu einem Rückzug der Linken aus Westdeutschland kommt und die Linke sich wieder zur ostdeutschen Regionalpartei entwickelt.“

Nach Ansicht des Parteienforschers Patzelt hat die Vielzahl der Kandidaten für den Parteivorsitz etwas mit dem grundlegenden Konflikt zwischen dem westlichen und dem östlichen Teil der Partei zu tun. „Den Reformern im Osten kommt das Verdienst zu, die SED zu einer wettbewerbsfähigen bundesdeutschen Partei gemacht zu haben.“ Es gebe aber auch im Osten eine Fraktion, die dem „Virus“ aus dem Westen verfallen sei und Bartsch um jeden Preis verhindern wolle. Wenn die Linke in die Hände westdeutscher Ideologen fiele, wäre das für die gesamte Partei fatal.