Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat am Montag zu einem behutsameren Umgang der Öffentlichkeit und der Medien mit vermeintlichen Skandalen aufgerufen. Bei einem Besuch des Deutschen Hauses am West India Quay an der Themse sagte der Minister mit Blick auf die jüngsten Einlassungen der Olympia-Teilnehmerin Nadja Drygalla: "Ich freue mich über ihre Äußerungen von gestern, dass sie sich offenbart hat."
Die Rostocker Rudererin hatte in dem Gespräch betont, rechtsextremes Gedankengut sei ihr fremd. Am vergangenen Freitag war Drygalla aus dem Olympischen Dorf abgereist, nachdem bekanntgeworden war, dass sie seit Jahren mit einem bekannten Rechtsextremisten liiert ist.
Angesichts des öffentlichen Umgangs mit dem Fall der 23-jährigen Athletin gab sich der Verteidigungsminister am Montag nachdenklich. "Steht es uns als Öffentlichkeit wirklich zu, den Freundeskreis von Sportlern zu screenen und zu gucken, was da los ist? Müssen wir von ihnen verlangen, offenzulegen, mit wem sie befreundet sind, was sie denken?" Wo sei da die Grenze? "Ich glaube, sie ist hier überschritten worden."
De Maizière stellte klar, dass rechtsextremes Gedankengut unvereinbar sei mit einer Beschäftigung im öffentlichen Dienst. "Aber was, wenn es um einen Bruder, eine Cousine, einen Freund geht? In dem Alter wechselt man ja auch mal den Freund. Wer will das überprüfen?" Indirekt kritisierte de Maizière damit auch das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommerns, das Drygalla im vergangenen Herbst gedrängt hatte, ihre Laufbahn als Polizeianwärterin wegen ihrer Liaison mit Michael Fischer aufzugeben ? ohne der jungen Frau selbst rechtsextremes Gedankengut nachweisen zu können.
Offen ließ der Minister, ob die Athletin in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen wird. Ursprünglich sollte Drygalla zum 1. September Sportförderung der Bundeswehr erhalten, der Deutsche Olympische Sportbund hatte ihren Antrag aber am 2. August zurückgezogen.
Unterdessen werden Zweifel laut, ob sich Fischer tatsächlich, wie Drygalla behauptet, im Mai von der rechten Szene losgesagt hat. Zwar bestätigte die NPD in Mecklenburg-Vorpommern, dass er die Partei Ende Mai verlassen habe. Gleichwohl finden sich auf seiner Facebook-Seite auch aktuelle Einträge, die zumindest rechtsextremes Gedankengut nahelegen. So schreibt er etwa von einem London-Besuch vergangene Woche verächtlich über Ausländer. Mitte Juni veröffentlichte er noch einen Bericht auf einer einschlägigen rechtsextremen Internetseite. Und die Domaine der "Nationalen Sozialisten Rostock", die vom Verfassungsschutz beobachtete wird, ist weiterhin auf seinen Namen eingetragen.