Blick auf den Neubau des Freizeitparks am Nürburgring. (FOTO: DPA)
Die Rennstrecke Nürburgring mit den angrenzenden Immobilien ist Pleite. Am Mittwoch beschloss das rheinland-pfälzische Kabinett, Insolvenz anzumelden. Die Schuld dafür gaben Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) der EU-Kommission wegen deren Weigerung, eine neuerliche Finanzspritze für die landeseigene Nürburgring GmbH zu genehmigen. Die EU-Kommission wies die Kritik zurück.
Nicht nur Formel 1 lockt Besucher
Mehr als 80 000 Zuschauer erlebten am 18. Juni 1927 das erste Eifelrennen auf dem neu gebauten Nürburgring. Bis heute lockt die Rennstrecke jährlich hunderttausende Gäste aus der ganzen Welt. Neben den Formel-1-Rennen werden Veranstaltungen aller Art angeboten. Die sind nicht nur für Motorsportfans interessant - finden aber meist nur an den Wochenenden statt. Da ist zum Beispiel "Rock am Ring". Seit 1985 wird alljährlich das Festival veranstaltet. Weltstars wie Elton John, Carlos Santana, Sting, Joe Cocker oder Bob Dylan standen auf der Bühne. Würde das Festival 2013 ausfallen, wäre das für viele Fans ein schwerer Schlag. Rund 85 000 Zuschauer bejubelten in diesem Jahr bei traditionell miesem Wetter unter anderem die Toten Hosen und Metallica.
Nass und schlammig geht's zu beim "Fisherman's Strongmanrun". Etwa 12 000 Hobbysportler quälten sich im Mai über die 20 Kilometer lange Strecke mit 15 ungemütlichen Hindernissen. Laufen lässt es sich auf dem Ring sogar im Winter. Für Skilangläufer wird eine Loipe gespurt - wenn der Schnee reicht. Andere Sportarten kamen in den letzten Jahren hinzu - etwa das Radeln. Zehntausende strampelten sich in den vergangenen Jahren ab bei "Rad am Ring". Über 70 oder 140 Kilometer ging's per Rennrad oder Mountainbike mitten durch die "grüne Hölle". Hier konnten sich auch die Triathleten beim "Green Hell Triathlon" laufend und radelnd vergnügen, zum Schwimmen ging es an den einige Kilometer entfernten Freilinger See.
Natürlich aber steht am Nürburgring der Motorsport im Mittelpunkt. Neben der Formel 1 gibt es zahlreiche Großveranstaltungen. Zum Beispiel der Truck-Grand-Prix. Mehr als 180 000 Besucher kamen nach Angaben des Veranstalters zur Brummi-Show in diesem Jahr. Weitere Zuschauermagneten sind das ADAC 24-Stunden-Rennen, das Deutsche Tourenwagen-Masters oder der Oldtimer-Grandprix. Für die Biker gibt es nicht nur die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft: Traditionell am 1. April findet am Nürburgring ein Motorrad-Gottesdienst statt.
Andrang nur am Wochenende
Während die Besucher an vielen Wochenenden zum Ring strömen, bleibt es an den Wochentagen oft leer. Wer will, kann dann mit dem Motorrad oder Auto über die Nordschleife durch die grüne Hölle brettern oder die "Erlebniswelt" - ein Themenpark mit Rennsportmuseum und historischem Fahrerlager - besuchen. Die 13,5 Millionen US-Dollar teure Achterbahn steht allerdings nach einem Defekt still - seit 2009. Am Ring-Boulevard stehen etliche Geschäfte leer, in der in der Ring-Arena mit ihren 5 200 Plätzen herrscht in der Regel Ruhepause und im Kino ist meist jede Menge Platz. Stille herrscht an Wochentagen auch in der Partyzone mit der Disco "Eifel-Stadl". Gut besucht sind immerhin die Hotels. Nicht nur private Gäste buchen hier, etliche Firmen veranstalten Tagungen - auch mitten in der Woche.