Ein Mitarbeiter der aap Implantate AG in Berlin kontrolliert am in der Fertigungsanlage der Firma ein Teil eines Hüftendoprothesensystems. (FOTO: DPA)
Der Präsident des Verbandes der Krankenhaus-Direktoren Deutschlands, Josef Düllings, verwahrte sich gegen Mengenbegrenzungen bei solchen Operationen. Über die Notwendigkeit entscheide allein die medizinische Indikation, betonte er. "Darüber darf weder das Alter des Patienten entscheiden, noch darf es eine Begrenzung der Zahl bestimmter Eingriffe geben. Das ist ethisch nicht vertretbar", sagte er. "Ich halte es eines wirtschaftlich starken Landes für unwürdig, darüber zu diskutieren."
Die AOK Sachsen-Anhalt sieht das ähnlich. "Patienten sollen auch künftig alle medizinisch notwendigen Behandlungen und Operationen erhalten", sagte Vorstand Ralf Dralle der MZ. Die Entscheidung zu einer OP sollte jedoch gründlich abgewogen werden und nur erfolgen, wenn es medizinisch notwendig sei. "Leichtfertige oder vorschnelle Eingriffe sollten vermieden werden", betonte er. Der richtige Weg sei, dass Überkapazitäten abgebaut werden und Krankenhäuser sich spezialisieren, um unwirtschaftliche Doppelstrukturen zu vermeiden. "Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist es aus Kosten- und Qualitätsgründen nicht möglich, dass jedes Krankenhaus schwerwiegende oder seltene Krankheiten behandelt", erklärte Dralle.
In Deutschland wurden im Jahr 2010 rund 214 000 künstliche Hüftgelenke sowie 158 000 Kniegelenke implantiert. Fünf Jahre zuvor waren es nur 194 000 Hüftgelenke und 129 000 Kniegelenke. 80 Prozent der Patienten sind über 60 Jahre alt. "Dass die Zahlen steigen, liegt vor allem daran, dass die Zahl der über 60-Jährigen steigt", erklärte Ronny Jaekel, Vorsitzender des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie in Sachsen-Anhalt. Er befürchtet aber nicht, dass in absehbarer Zeit Patienten in den entsprechenden Stadien ihrer Verschleißerkrankung damit zu rechnen haben, dass ihnen ein Knie- oder Hüftgelenkersatz verwehrt wird. Wenig Verständnis für die Debatte zeigte Jens Hennicke, Leiter der Landesvertretung Sachsen-Anhalt der Techniker Krankenkasse. Dass jeder Versicherte die medizinisch notwendige Behandlung erhalte, die er benötige, sei ein Grundpfeiler der gesetzlichen Krankenversicherung, "um den man uns im Ausland vielfach beneidet", sagte er der MZ.
Am Donnerstag ruderte Gesundheitsminister Bahr zurück und betonte, dass sich "jeder darauf verlassen kann, die notwendige Behandlung zu erhalten". Kliniken sollen mehr Geld erhalten, um eine gute Versorgung zu gewährleisten.