Ostdeutschland: Geschiedene Frauen fordern Rechte ein

15.05.2012 20:49 Uhr | Aktualisiert 15.05.2012 20:56 Uhr
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DDR-Grenzstein

Nur noch der Grenzstein erinnert an die ehemalige innerdeutsche Grenze (FOTO: ARCHIV/DPA)

Von Markus Decker
Der "Verein der in der DDR geschiedenen Frauen" hat am Mittwoch in Berlin und Leipzig für die Rechte der schätzungsweise 400 000 Betroffenen demonstriert. Sie haben rechtlich gesehen vielfach keinen Anspruch auf Versorgungsausgleich durch ihre Ex-Männer und müssen oft mit sehr kleinen Renten auskommen.
Berlin/MZ. 

Unterstützung von Gysi

Die Vereinsvorsitzende Ute Lauterbach sagte der MZ am Rande der Kundgebung vor dem Kanzleramt: "Wir sind hier, um gegen die Rentenungerechtigkeit zu protestieren. Denn das Rentenüberleitungsgesetz von 1992 verweigert uns den Versorgungsausgleich." Die Männer brauchten für ihre geschiedenen Frauen bis an ihr Lebensende keinen Cent zu bezahlen. Das sei nicht in Ordnung. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, sprach ebenfalls von einer erheblichen Benachteiligung. Trotz vielfacher Proteste passiere seit Jahren nichts. Er hoffe, dass die neuerlichen Proteste nun Erfolg hätten. Die etwa 150 Frauen vor der Berliner Regierungszentrale kamen aus allen Teilen Ostdeutschlands. Sie demonstrierten mit T-Shirts und der Aufschrift "Unrecht gegen Geschiedene beseitigen", mit schwarzen Luftballons und Holzkreuzen.

Ohne Ausweg?

Vertreter der schwarz-gelben Koalition hatten zuvor zu erkennen gegeben, dass sie das Anliegen der Frauen für berechtigt halten, man aber nichts tun könne, weil alle möglichen Lösungen mit "erheblichen verfassungsrechtlichen Risiken, beträchtlichen Kosten und einem kaum zu bewältigenden Verwaltungsaufwand" verbunden seien, wie ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums formulierte. Die Bundesregierung stütze sich dabei auf ein Urteil des Bundessozialgerichts. Auch sonst ist die schwarz-gelbe Koalition überwiegend nicht bereit, das Rentenrecht zugunsten der Ostdeutschen zu verändern mit der Begründung, dies werde zu neuen Ungerechtigkeiten und im Zweifel sogar zu Nachteilen für die Ostdeutschen führen.