EU-Währungskommissar Olli Rehn verkündet gute Nachrichten. (FOTO: DPA)
Gute Nachrichten hat EU-Währungskommissar Olli Rehn nicht oft zu verkünden. Also versuchte er es am Freitag mal anders und verpackte die schlechten Voraussagen für 2012 in vielversprechende Aussichten für 2013. "Im nächsten Jahr wird alles besser", heißt seine Bilanz der mit Bangen erwarteten Frühjahrsprognose aus Sicht der Kommission. "Die wirtschaftliche Aktivität in der EU ist im letzten Quartal 2011 und auch im ersten Quartal 2012 geschrumpft", stellte er fest. Aber: "Ein Aufschwung ist in Sicht, die Lage bleibt jedoch fragil." Im kommenden Jahr sei ein zartes Plus von einem Prozent drin, hieß es in Brüssel. Dazu trägt offenbar auch der erfolgreiche Schuldenabbau bei. So sinkt das Defizit der 17 Mitgliedstaaten langsam aber stetig von minus 3,2 Prozent im laufenden auf 2,9 Prozent im nächsten Jahr.
Lediglich Spanien und Frankreich schaffen es wohl nicht, ihre Etats wieder in geordnete Bahnen zu bringen: Madrid wird bei einem Minus von 6,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes landen, Frankreich bei 4,2 Prozent. Die ursprüngliche EU-Vorgabe lautet: Bis 2013 sollen alle Euro-Länder wieder die Drei-Prozent-Marke schaffen. Deutschland steht wieder einmal als Musterschüler da. Zwar lag die Inflationsrate im April bei 2,1 Prozent. Brüssel aber sieht das lockerer. Spätestens 2013 werde die Preissteigerung auf 1,8 Prozent sinken. Die Wirtschaft aber verbleibt auch nach der Vorausschätzung mit 0,7 Prozent leicht im Plus und kann nach dem Jahreswechsel sogar auf 1,7 Prozent zulegen. Das Staatsdefizit sinkt von 0,9 auf 0,7 Prozent. Und dank der Sparanstrengungen wird wohl auch der Schuldenstand von 82,2 auf 80,7 Prozent der Wirtschaftsleistung zurückgehen. Allerdings ist auch das noch weit von den erlaubten 60 Prozent entfernt.
Griechenland bekam in Brüssel zwar keine wirklich guten, aber doch immerhin weniger schlechte Nachrichten zu hören. Der Wirtschaftseinbruch geht nämlich zurück. Im vergangenen Jahr sank die ökonomische Leistung noch um 6,9 Prozent, in diesem Jahr kommen noch einmal 4,7 Prozent dazu. Auch für die Hellenen könnte das nächste Jahr eine Wende bringen: Dann werde das Land nämlich zum ersten Mal seit fünf Jahren ein Nullwachstum erreichen.
Dagegen beschleunigt sich der Rückgang in Portugal, dem zweiten Land unter dem Rettungsschirm. Ebenso wie in Italien (dort sinkt das Wachstum von 1,4 auf 0,4 Prozent) muss auch Lissabon einen weiteren Rückschritt von minus 1,6 Prozent in diesem auf 3,3 Prozent im kommenden Jahr verkraften. Dagegen stehen die Zeichen für Irland auf Erholung. Dublins Wirtschaft dürfte 2012 um 0,5 Prozent wachsen, 2013 dann aber mit 1,9 Prozent sogar über dem EU-Durchschnitt liegen.