Birke Bull: haben Leute mit Personalquerelen gelangweilt. (FOTO: DPA)
Die Linke muss aus Sicht ihrer designierten neuen Landesvorsitzenden Birke Bull wieder mehr mit Inhalten um Mitglieder und Sympathisanten werben. „Wir haben die Leute jetzt monatelang mit Personalquerelen gelangweilt. Es gibt andere Erwartungen an meine Partei, nämlich Politik zu machen, Visionen zu entwickeln, meinetwegen noch ohne festen Preis“, sagte Bull der Nachrichtenagentur dpa in Magdeburg.
Beim außerordentlichen Parteitag der Linken soll am Samstag in Magdeburg ein neuer Landeschef gewählt werden. Die 48 Jahre alte Bull ist einzige Kandidatin, bislang war sie Partei-Vize und gehört seit 1994 dem Landtag an. Der bisherige Landesvorsitzende Matthias Höhn wurde zum Bundesgeschäftsführer gewählt.
Auch intern sieht Erziehungswissenschaftlerin Bull Aufgaben und will helfen, die Linke aus der „Beziehungskrise“ zu führen. „Die Linke gibt es jetzt fünf Jahre, und die Spannungsbreite zwischen Leuten, die sich bei uns eingefunden haben, die einen Neustart in einer linken Partei versucht haben, ist ziemlich groß, die Motivation ist sehr unterschiedlich.“ Leute, die aus sozialen Bewegungen kommen, und Parlamentarier auf verschiedenen Ebenen - in Ost und West seien die Leute anders geprägt. „Was wir lernen müssen, ist, dass wir nicht nur miteinander auskommen, sondern dass wir aufeinander hören und uns in die Perspektive des anderen hineindenken können. Wir können nicht immer nur Pluralität vor uns hertragen, wir müssen sie auch leben.“
Das neue Führungsduo Katja Kipping und Bernd Riexinger gibt Bull Hoffnung. „Die erste Zeit, die ich jetzt mit ihnen erlebt habe, machen sie einen richtig guten Job.“ Beide sind seit Anfang Juni an der Spitze der Bundespartei. Bulls Eindruck ist: „Man hat schon, wenn man in die Partei reinhorcht, das Gefühl, da ist Aufbruchstimmung tatsächlich da.“
In Sachsen-Anhalt ist die Linke aus der Landtagswahl 2011 zwar als zweitstärkste Partei hervorgegangen, ist aber nicht an der Regierung beteiligt. Bulls Konzept heißt: „Wir müssen stärker werden, attraktiver - nicht unbedingt nur für Mitglieder, sondern auch für Menschen, die an Alternativen interessiert sind, um einfach auch den Druck in Richtung zum Beispiel SPD zu erhöhen.“ Die Verankerung der Linken unter den Bürgern sei ein wichtiges Standbein neben der im Parlament.
Außerhalb des Parlaments wolle die Linke einladen zu Diskussionen etwa über das bedingungslose Grundeinkommen. Familienfreundlichkeit ist aus Bulls Sicht ebenso wichtig: „Es geht nicht, dass wir von einem Mitglied oder von jemandem, der sich für ein Amt hat wählen lassen, nun erwarten, rund um die Uhr verfügbar zu sein.“