Torsten Albig, der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, hebt im schleswig-holsteinischen Neumünster die Faust, wo gegen eine NPD-Versammlung protestiert wurde. (FOTO: DPA)
Den Wahlkampf bestreitet der Profi mit der markanten Glatze selbstbewusst. Wer wird neuer Ministerpräsident? „Ich glaube, das werde ich sein“, sagt Albig.
Der Kandidat versteht sich als Pragmatiker, ideologische Grabenkämpfe sind seine Sache nicht. Hauptthemen seines Wahlkampfes sind die beklemmende Finanz- und Haushaltslage des Landes und deren Folgen für die Gesellschaft. Albig sieht dies als „intellektuelle Herausforderung“, wie er gern betont. Einerseits gehe es um Sparsamkeit und die Optimierung staatlicher Aufgaben, andererseits stoße diese „kleinteilige Politik“ an Grenzen. Neue Ideen müssten her, um Wachstum zu sichern, sagt Albig, der sich früh auf eine rot-grüne Koalition als Wahlziel festlegte. Es gehe darum, „kreative und unternehmerische Kraft“ freizusetzen.
Der versierte Finanzexperte zog vor rund zehn Jahren mit Frau, Tochter und Sohn nach Kiel. Der gebürtige Bremer gilt in der schleswig-holsteinischen Landespolitik aber nach wie vor als Quereinsteiger. Zwar lebte Albig bereits in seiner Jugend einige Jahre im nördlichsten Bundesland und kehrte nach seinem Jurastudium in Nordrhein-Westfalen dorthin zurück, um in der Steuerverwaltung zu arbeiten. Zwischenzeitlich wirkte er zudem von 2002 bis 2005 als Stadtrat in Kiel - wo er dann 2009 überraschend die Direktwahl zum OB gewann. In der Partei- und Parlamentspolitik auf Landesebene aber war er nie wirklich präsent.
Das änderte sich erst, als Albig im vergangenen Jahr den SPD-internen Mitgliederentscheid über den Spitzenkandidaten klar gegen Landeschef Ralf Stegner gewann. Der deutliche Vorsprung gegenüber dem polarisierenden und zum linken Parteiflügel zählenden Stegner überraschte damals viele. Dieser hält sich seither zurück und lässt Albig mit seinem dialogorientierten Stil den Vortritt. Dieser Stil kommt bei den Bürgern gut an: Würde der Ministerpräsident direkt gewählt, würden nach einer neuen Umfrage 49 Prozent für Albig stimmen. CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager käme nur auf 27 Prozent.
Trotz seiner Posten als Stadtrat und Oberbürgermeister in Kiel - seine eigentliche Karriere machte Albig in Berlin. Seine bundespolitische Laufbahn begann Ende der 90er Jahre im Planungsstab des damaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine, später folgte er diesem als Sprecher ins Bundesfinanzministerium. Den Sprecherposten behielt er nach Lafontaines Rückzug 1999 auch unter Nachfolger Hans Eichel (SPD) bei.
Während der großen Koalition in Berlin machte ihn Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) dann 2006 erneut zum Ministeriumssprecher. An dessen Seite erlebte Albig die dramatische Phase der globalen Finanzkrise nach dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers 2008, als der Staat hektisch Rettungspakete schnürte.
Wie Steinbrück zählt Albig zum pragmatischen Kreis der SPD, aus seiner inhaltlichen Nähe zu seinem einstigen Vorgesetzten macht er keinen Hehl. Bisweilen wird der Wahl-Kieler auch mit dem Hamburger SPD-Bürgermeister Olaf Scholz verglichen, der während der großen Koalition Bundesarbeitsminister war und die Genossen bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 2011 zur absoluten Mehrheit führte. „Ich orientiere mich an der Realität“, sagt Albig. „Ob Sie das für rechts, links oder Mitte halten, ist mir egal.“