Eine Verletzte wird betreut. (FOTO: DAPD)
Binnen Minuten erschütterten gestern vier Explosionen das Zentrum der östlichen Stadt Dnepropetrowsk. Mindestens 27 Menschen wurden verletzt, darunter auch neun Schulkinder. Die ukrainischen Behörden gehen von einem Terrorakt aus.
Deutschland mahnt indes bei der ukrainischen Regierung ein schnelles Handeln im Fall der erkrankten Ex-Ministerpräsidentin an. Ärzte der Berliner Charité riefen die Regierung in Kiew dringend auf, Timoschenko zur Behandlung ins Ausland reisen zu lassen. Die Tochter der Politikerin, Eugenia Timoschenko, befürchtet eine mögliche Zwangsernährung ihrer hungerstreikenden Mutter.
Die erste Detonation ereignete sich nach Angaben einer Sprecherin des Ministeriums für Krisensituationen an einer Straßenbahnhaltestelle, die zweite vor einem Kino. Der dritte Sprengsatz ging vor einem Bahnhof hoch, eine vierte Explosion wurde ebenfalls im Stadtzentrum gehört. Innenminister Witali Sachartschenko erklärte, er wollte umgehend nach Dnipropretrowsk fliegen. Die ostukrainische Stadt zählt allerdings nicht zu den Austragungsorten der Fußball-Europameisterschaft, die am 8. Juni beginnt.
Der Berliner Regierungssprecher Steffen Seibert mahnte die Ukraine, es dürfe mit Blick auf das Schicksal Timoschenkos "kein Spiel auf Zeit" geben. Die Bundesregierung setze sich dafür ein, dass Timoschenko "jetzt die nötige Behandlung bekommt". Seibert verwies darauf, dass es auch andere Fälle gebe, "in denen die Strafjustiz instrumentalisiert worden ist, um Demokratie zu behindern". Auch die Lage dieser Menschen müsse verbessert werden.
Seibert wies einen Medienbericht zurück, wonach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Ukraine mit ihrem Fernbleiben von der Fußball-EM gedroht habe. Es habe ein Gespräch des außenpolitischen Beraters der Kanzlerin, Christoph Heusgen, mit dem ukrainischen Vize-Außenminister Pawel Klimkin im Kanzleramt gegeben. Der Fall Timoschenko sei dabei besprochen worden, von einer Drohung könne aber "keine Rede sein", sagte Seibert.
Merkel habe noch keine Reisepläne zur Europameisterschaft gemacht, sagte Seibert. Dies werde erst kurzfristig entschieden werden, "aber natürlich fließt auch die weitere Entwicklung in der Ukraine rund um den Fall Timoschenko in diese Entscheidung mit ein". Nach den Bombenanschlägen hat das Auswärtige Amt in Berlin seine Reisehinweise für das Gastgeberland der Fußball-Europameisterschaft verschärft. "Reisenden in der Region wird geraten, besondere Vorsicht walten zu lassen und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen", heißt es seit gestern auf der Internetseite des Ministeriums.