Studie: Immer mehr Ostdeutsche kommen aus dem Westen zurück

18.07.2012 16:22 Uhr | Aktualisiert 18.07.2012 21:27 Uhr
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Umzug

Der Lkw einer Umzugsfirma steht in Gera-Lusan. (FOTO: DPA)

Nach einer in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vorgestellten Studie des Leibniz Instituts für Länderkunde (Leipzig) ist heute jeder Zweite, der aus den alten in die neuen Bundesländer umzieht, ein Rückkehrer.
Hamburg/Leipzig/dpa/MZ. 

Immer mehr Ostdeutsche kommen aus dem Westen wieder in ihre alte Heimat zurück. Nach einer in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vorgestellten Studie des Leibniz Instituts für Länderkunde (Leipzig) ist heute jeder Zweite, der aus den alten in die neuen Bundesländer umzieht, ein Rückkehrer. Allein 2010 zogen demzufolge mehr als 40000 Ostdeutsche in ihre frühere Heimat. „Viele Ostdeutsche sind der Arbeit wegen abgewandert, kommen nun aber der Familie und der Freunde wegen zurück“, sagte der Leiter der Studie, Thilo Lang, der Zeitung.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sprach angesichts der Zahl von mehr als 40 000 Rückkehrern von einer Trendwende. „Die neuen Länder werden wieder attraktiver“, sagte er der MZ. Zwar seien die durchschnittlichen Einkommen im Westen noch immer höher, der Unterschied schrumpfe aber durch den Abzug von Miet- und Lebenshaltungskosten.

Laut Statistischem Bundesamt zog es von 1989 bis 2010 rund 4,1 Millionen Ostdeutsche in den Westen. Umgekehrt kamen 2,1 Millionen Menschen vom Westen in den Osten. Drei Viertel derer, die nach 1990 die neuen Länder verlassen haben, können sich laut Studie inzwischen vorstellen, wieder in den Osten zurückzuziehen. 43 Prozent von ihnen haben sogar schon konkrete Vorkehrungen dafür getroffen. Sachsen war im Vorjahr das erste Ost-Land mit positiver Wanderungsbilanz. Dorthin gingen rund 3600 Menschen mehr zurück als wegzogen.

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gehen die Ost-Länder auch aktiv auf Übergesiedelte zu, um ihnen eine Rückkehr in die alte Heimat schmackhaft zu machen. Ministerpräsident Haseloff etwa war erst im April mit einem Tross auf Werbetour in Baden-Württemberg unterwegs.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sieht derweil große Probleme auf die West-Länder zukommen. „Die Westdeutschen müssen sich etwas einfallen lassen.“ Es kämen immer weniger Ostdeutsche in die alten Länder zum Arbeiten. „Bayern vermisst schon heute schmerzlich junge Auszubildende aus Thüringen“, sagte Weise. Nun müssten Firmen im Westen um Menschen etwa aus Polen, Tschechien, Italien, Spanien oder Griechenland werben.

Laut Studie kehren die meisten Menschen dem Westen aber nicht mit Frust den Rücken. 81 Prozent der noch im Westen Lebenden fühlen sich in ihrer Gastregion akzeptiert. Jene, die schon heimgekehrt sind, geben an, im Westen zufrieden gewesen zu sein - vor allem mit Bildungsangeboten, Einkommen und Karrierechancen. Für die Studie hat das Leibniz-Institut mehrere hundert Teilnehmer befragt. Die Antworten sind aber nicht vollständig repräsentativ.