Syrien: Assads Tage scheinen gezählt

20.07.2012 14:19 Uhr | Aktualisiert 20.07.2012 19:50 Uhr
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Baschar al-Assad

Syriens Präsident Baschar al-Assad: Die Aufständischen haben dem Assad-Regime in Syrien einen schweren Schlag versetzt. (FOTO: DPA)

Die Tage des syrischen Präsidenten Baschar Assad scheinen gezählt. 16 Monate lang konnten die Regierungstruppen zumindest die Hauptstadt Damaskus verteidigen.
Dubai/dapd. 

Doch das Attentat auf Assads innersten Machtzirkel, bei dem Verteidigungsminister Dawud Radschha diese Woche starb, markierte aus Expertensicht einen Wendepunkt.

Auf dem Papier mache das Militär einen mächtigen Eindruck, analysierte Nahostexperte Jeremy Binnie vom Fachmagazin „Janes Defence Weekly“. „Doch die Mehrheit der Soldaten sind Sunniten und es gibt Beweise dafür, dass die Einheiten Zerfallserscheinungen zeigen, sobald sie in die Schlacht ziehen sollen“, sagte Binnie.

Der Aufstand syrischer Rebellen wird von Sunniten angeführt. Assad selbst zählt zu den Alawiten, wie auch die meisten Repräsentanten seines Regimes. 1982 konnte Assads Vater Hafes einen sunnitischen Aufstand noch blutig niederschlagen - doch der beschränkte sich noch auf die Stadt Hama. Jetzt ist das ganze Land im Krieg.

Das türkische Außenministerium schätzte die Zahl der Deserteure in Syrien aktuell auf 60.000. Laut dem renommierten Londoner Institut für Strategische Studien umfasste Assads Armee nominell 295.000 Männer. „Falls nötig, können wir die Zahl morgen mit Freiwilligen auf vier Millionen erhöhen“, tönte Syriens Informationsminister Omran al-Subi trotzdem im Staatsfernsehen.

„Die Geschichte lehrt uns, dass diese Typen bis zur letzten Kugel kämpfen“, sagte Abdulchalek Abdulla, Politikprofessor an der arabischen Universität al-Ain. „Assads Anhänger werden versuchen, sich den Weg frei zu schießen, um zu überleben“, prognostizierte Andrew Tabler von Washingtoner Institut für Nahoststudien.

Sunnitische Rebellen können auf islamische Hilfe bauen

Unterdessen beweisen die jüngsten militärischen Erfolge der aufständischen Freiwilligen Syrischen Armee (FSA), dass Waffenhilfe aus dem Ausland eingetroffen ist. Während die Rebellen lange Zeit unter Munitionsmangel litten und kaum schweres Geschütz zur Verfügung hatten, können sie jetzt auch Kampfhubschrauber abschießen und Stellungen halten. Experten glauben, dass Katar und Saudi-Arabien die sunnitische Revolution diskret unterstützen.

Während sich die Lage für Assad in Damaskus dramatisch zuspitzt, laufen ihm nicht nur die Soldaten weg, sondern auch die Diplomaten. Der ehemalige syrische Botschafter im Irak, Nawaf Fares, warnt mittlerweile aus dem Ausland davor, dass das Regime in seiner Verzweiflung chemische Waffen einsetzen könnte.

Assads Vater Hafes schmiedete in der Bedrängnis noch eine strategische Partnerschaft mit der Sowjetunion, das Waffenarsenal der Regierungstruppen stammt größtenteils aus jener Zeit. Und auch ein russischer Marinestützpunkt in der Hafenstadt Tartus ist von damals geblieben.

„Die Russen stecken jetzt in der Klemme, weil sie direkt verantwortlich gemacht werden, falls er (Assad) chemische Waffen oder mehr Luftwaffe benutzt“, sagt George Lopez von der US-Universität Notre Dame. Am Nahostinstitut Dubai hingegen glaubt Theodor Karasik, dass Assad bereits ausländische Soldaten anwirbt, um Damaskus zu halten. „Es ist ein Entscheidungskampf - nicht nur in Damaskus, sondern in ganz Syrien“, gestand selbst Informationsminister al-Subi zuletzt ein.