Das Foto des syrischen TV-Senders Arab News Agency zeigt die Suche und die mögliche Absturzstelle des türkischen Kampfjets. (FOTO: DPA)
"Der Vorfall von Freitag zeigt, dass sich der offene Bürgerkrieg in Syrien auf die gesamte Region auswirkt", warnte der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff im Gespräch mit der MZ. Der gesamte Nahe Osten könne dadurch destabilisiert werden. Schockenhoff forderte die russische Regierung auf, ihre schützende Hand nicht länger über das Regime von Syriens Staatschef Baschar al-Assad zu halten. "Mit Assad ist keine Lösung mehr möglich", so Schockenhoff. Ziel der internationalen Gemeinschaft müsse es sein, das Regime zu isolieren. Moskau müsse deshalb auch seine Waffenlieferungen sofort einstellen. Noch bestünden Lieferverträge über Rüstungsgüter im Wert von 3,6 Milliarden US-Dollar. "Diese Waffen dürfen nicht nach Syrien gelangen", sagte der CDU-Politiker.
Der Syrien-Konflikt hat nach Ansicht von Rolf Mützenich, dem außenpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, mit dem Abschuss des türkischen Kampfjets von letzten Freitag eine neue Qualität erhalten. Mützenich lobte das bislang besonnene Verhalten der Türkei. "Es ist richtig, dass die Regierung in Ankara nun die Nato-Partner über ihre Erkenntnisse informiert, statt einseitige Schritte einzuleiten", sagte der Politiker. Man müsse genau klären, unter welchen Umständen das Kampfflugzeug abgeschossen worden sei. Erste Äußerungen türkischer Regierungsmitglieder legten den Verdacht nahe, sie seien nicht eingebunden gewesen in die Operation der Luftwaffe. "Ich hoffe, das Primat der Politik überwiegt in der Türkei weiterhin", betonte der Sozialdemokrat.
Laut Medienberichten hat die türkische Küstenwache am Sonntag zumindest Wrackteile des Kampfflugzeugs auf dem Meeresgrund geortet, das am Freitagnachmittag (Ortszeit) über dem Mittelmeer vor der Küste Syriens von einer Rakete der syrischen Luftabwehr abgeschossen worden war. Über den Verbleib der beiden Piloten verlautete zunächst nichts.
Das Außenministerium in Ankara gestand am Wochenende ein, der Jet vom Typ F4-Phantom habe sich auf einem Übungsflug befunden und sei dabei aus Versehen in den syrischen Luftraum eingedrungen. Der Abschuss sei aber in internationalem Luftraum erfolgt. Es habe sich nicht um eine Aufklärungsmission gehandelt, wurde versichert.
Ein Sprecher des Außenministeriums in Damaskus betonte, man hege keine feindliche Absichten gegen die Türkei.