Terrorismus: CIA vereitelt Selbstmordanschlag auf ein Passagierflugzeug

08.05.2012 08:30 Uhr | Aktualisiert 09.05.2012 08:07 Uhr
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Bin-Laden-Todestag

Vor einem Jahr wurde Al-Kaida-Führer Osama bin Laden getötet. (FOTO: DPA)

Von DAMIR FRAS
Die US-Geheimdienste haben um den ersten Jahrestag der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden einen Anschlag auf ein Passagierflugzeug vereitelt.
Washington/MZ. 

Auf Dienstreise in Indien versuchte US-Außenministerin Hillary Clinton zunächst zu beruhigen. Der öffentliche Flugverkehr sei nicht bedroht gewesen, sagte sie. Doch dann schickte sie gleich hinterher: „Aber das Komplott zeigt, dass die Terroristen versuchen, immer perversere und schrecklichere Methoden zu entwickeln, um unschuldige Menschen zu ermorden.“ Nur wenige Stunden zuvor hatte Clinton eine beunruhigende Nachricht erreicht: Das Terrornetzwerk Al Qaida arbeitet offenbar mit Hochdruck daran, Passagierflugzeuge in die Luft zu jagen – mit neuartigen Sprengsätzen, die womöglich von herkömmlichen Flughafen-Scannern nicht entdeckt werden können.

Weiterentwickelter Sprengsatz

Es gibt zumindest erstzunehmende Hinweise darauf. Wie jetzt bekannt wurde, will der US-Auslandsgeheimdienst CIA in den vergangenen Woche eine entsprechende Bombe sichergestellt haben, die aus einer Werkstatt des Al-Qaida- Ablegers im Jemen stammen soll. Sie soll der sogenannten Unterhosen- Bombe ähneln, die der aus Nigeria stammende Islamist Umar Farouk Abdulmutallab am Weihnachtstag 2009 in einem Flugzeug über der nordamerikanischen Stadt Detroit zünden wollte. Der Anschlag damals misslang. Allerdings soll der jetzt entdeckte Sprengsatz, der von Experten der US-Bundespolizei FBI untersucht wird, eine technische Weiterentwicklung der Unterhosen-Bombe sein. Er enthalte keine Metall- Teile, erklärten am Dienstag Vertreter der US-Regierung, die anonym bleiben wollten. Die Bombe sei zudem möglicherweise mit einem Zünder ausgestattet gewesen, der mit konventionellen Apparaten in Flughafen-Sicherheitsschleusen nicht entdeckt werden könne, sagte die Vorsitzende des US-Geheimdienstausschusses im US-Senat, Dianne Feinstein der New York Times. Die Zeitung zitierte einen hohen Regierungsmann, der den technischen Stand des Sprengsatzes „beunruhigend“ nannte. Die US-Regierung beeilte sich gestern zu versichern, dass Flugpassagiere nicht in Gefahr gewesen seien. Der Sprengsatz sei nicht an Bord eines Flugzeugs gefunden worden, hieß es. Die genauen Umstände der Entdeckung wollte die Regierung jedoch mit dem Verweis auf Geheimhaltungsrichtlinien nicht erläutern. Das Heimatschutzministerium erklärte, es habe keine „spezifische und glaubwürdige Information“, dass derzeit ein Terroranschlag auf die USA vorbereitet werde. Möglicherweise wollte Al Qaida aber ein Attentat rund um den Jahrestag der Tötung des Netzwerk- Gründers Osama bin Laden am 2. Mai 2011 verüben.

Operation nicht abgeschlossen

Allem Anschein nach gelang es der CIA in Zusammenarbeit mit Partnerdiensten ein solches Attentat schon in einem Frühstadium der Planung zu vereiteln. Peter King, Vorsitzender des Heimatschutz- Ausschusses im US-Senat, sagte, der potenzielle Selbstmordattentäter stelle keine Gefahr mehr dar. Unklar blieb allerdings, ob der mutmaßliche Terrorist tot ist oder in Gewahrsam. Laut des US-Senators ist die Geheimdienstoperation noch nicht abgeschlossen. Auch stehe die Sicherstellung der Bombe im Zusammenhang mit einem US-Drohnenangriff im Jemen, bei dem am Wochenende das hochrangige Al- Qaida-Mitglied Fahd Mohammed Ahmed al-Kuso getötet wurde. Dieser wurde verdächtigt, 2000 an dem Anschlag auf das US-Schlachtschiff USS Cole im Jemen beteiligt gewesen zu sein. Bei der Jagd auf mutmaßliche Hintermänner des jetzt vereitelten Anschlags konzentrieren sich die US-Geheimdienste nach Regierungsangaben vor allem Ibrahim Hassan al-Asiri. Er gilt als der geschickteste Bombenbauer der Al-Qaida-Filiale im Jemen.