Angela Merkel sagt nicht, ob Norbert Röttgen Umweltminister bleibt. (FOTO: DPA)
Gesagt hat die Kanzlerin statt dessen, dass sich an der Aufgabenstellung für das Umweltressort nichts geändert habe durch die Wahl in Nordrhein-Westfalen, die der CDU-Spitzenkandidat so desaströs verloren hat. Es gebe "sehr viel Arbeit, die erledigt werden muss". Von wem sie erledigt werden soll, sagt sie nicht. Man kann vermuten, dass Merkel Norbert Röttgen meint. Aber vielleicht drückt sie sich so gewunden aus, weil sie sich nicht so genau festlegen will. Schließlich hat Röttgen in der CDU ziemlich viele Feinde.
Der Ranghöchste von ihnen ist bereits am Morgen zu vernehmen. Er hoffe, dass Röttgen als Minister mit der Herausforderung der Energiewende anders umgehe als mit dem Wahlkampf, verkündet CSU-Chef Horst Seehofer via Bild-Zeitung. Seehofer hat Röttgen bereits zu Beginn des Wahlkampfs kritisiert, als der sich seine politische Zukunft für den Fall einer Niederlage offenhielt. Im Nachhinein wird dieses Röttgensche Zögern gegenüber einer Zukunft als Oppositionsführer in der CDU nun als Hauptfehler im Wahlkampf bezeichnet. Allerdings hat Seehofer durch seine Kritik das Thema erst richtig zu einem gemacht. Jetzt drischt er also wieder auf Röttgen ein. Er schwächt den durch die Wahlniederlage angeschlagenen Parteifreund zusätzlich - womit er auch Merkels Regierungsmannschaft trifft, in der sich die Problemfälle häufen.
Der Merkel-Vertraute Peter Hintze, kein großer Röttgen-Freund, bemerkt, er hoffe, dass Seehofer sich nicht ähnliche Kommentare anhören müsse, "falls er mal in seinem Leben einen so bösen Wahltag erlebt". Merkel dagegen lässt Seehofer gewähren. Es klingt, als halte Merkel Schreitherapien für eine gute Sache. Ganz vertraut sie der Schreitherapie allerdings offenbar nicht. Denn kaum ein Wort sagt sie am Tag nach der NRW-Wahl öfter als "Betreuungsgeld". Das werde man bald in Angriff nehmen, es sei ein wirklich wichtiges Projekt. Das eigentlich wichtige Projekt der Kanzlerin heißt: CSU beruhigen. Und die CDU? Stand Röttgen nicht für die Modernisierung der Partei, für schwarz-grüne Koalitionsoptionen, für die stolze Behauptung, die CDU repräsentiere die Mitte der Bevölkerung. 26 Prozent hat die Röttgen-CDU in NRW bekommen. Ist der Modernisierungskurs gescheitert? Der Mittelstandsflügel der Union fordert eine inhaltliche Neubesinnung. In der Parteiführung merken einige an, man brauche Themen, die die Bürger begeisterten. Das sei nicht die Haushaltskonsolidierung.
Röttgen hat sich bislang ganz gut gelaunt präsentiert, zumindest gemessen am Wahlergebnis. Gemessen daran, dass sie ihm in den Parteigremien seine Wahlkampffehler um die Ohren gehauen haben. Nicht nur seine Gegner. Auch ruhige Leute wie Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Röttgen habe das alles über sich ergehen lassen, wird erzählt. Er bleibe gerne Umweltminister, sagt Röttgen, "ein engagierter und guter". Nach der nächsten Bundestagswahl werde es für ihn weiter gehen mit der Bundespolitik. Er ist als CDU-Landeschef zurückgetreten. Das muss reichen. Mal sehen, was noch kommt. Das denkt sich offenbar nicht nur die Kanzlerin.