Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney wird von der Latino-Vereinigung begrüßt. (FOTO: AFP)
Vor gerade einmal einer Woche hatte US-Präsident Barack Obama mit einer Amnestie-Verordnung 800 000 illegalen Einwandern ein Bleiberecht in den USA versprochen, die Latinos Begeisterung versetzt und die immigrationskritischen Republikaner in tiefste Verwirrung gestürzt. Nun sollte deren Präsidentschaftskandidat Romney ausgerechnet vor der größten Latino-Organisation des Landes in Lake Buena Vista erläutern, wie er es mit der Sache der Hispanics halten will.
Romney machte es, wie er es gerne macht: Er blieb vage. Sein Tonfall war zwar etwas versöhnlicher als in der Vergangenheit. Der Mormone und Multimillionär beließ es aber bei Allgemeinplätzen. Ihm schwebe eine Langzeitlösung für die Einwanderung vor, sagte er und erklärte Obamas Amnestie zu einer populistischen Wahlkampfentscheidung. Romney ließ allerdings unerwähnt, dass es vor allem die Republikaner sind, die seit Jahren eine Langzeitlösung im Parlament von Washington blockieren.
Romney versuchte stattdessen, mit seinem Wahlkampfklassiker zu punkten: der Ökonomie. Die Latinos - eine auf 50 Millionen Menschen angewachsene Bevölkerungsgruppe - seien besonders stark von der schlechten Lage der Wirtschaft betroffen, sagte Romney: "Seit Obama sein Amt angetreten hat, leben zwei Millionen Latinos mehr in Armut als zuvor." Die Arbeitslosenquote liege für Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln bei elf Prozent und damit deutlich über dem derzeitigen US-Durchschnitt von ungefähr etwa acht Prozent. Es ist unsicher, ob Romneys Verheißung eines Wirtschaftsaufschwungs die Hispanics dazu bringen wird, den republikanischen Kandidaten in großer Zahl am 6. November zu wählen. In den Umfragen führt Obama in dieser Bevölkerungsgruppe deutlichen vor Romney. Das gilt vor allem Staaten wie Florida, in dem viele Latinos leben und der als "Swing State" gilt. Ein Staat also, den ein Kandidat gewinnen muss, um Präsident zu werden. Ein für die politische Szene in den USA relativ junger Mann könnte Romney beim Versuch helfen, diesen Trend umzukehren: Mario Rubio, 41 Jahre alt, Senator aus Florida, smart, eloquent und - Sohn kubanischer Einwanderer. Seit Wochen schon mehren sich bei den Republikanern die Stimmen, die Romney drängen, Rubio zu seinem Vizepräsidentschafts-Kandidaten zu machen. Das Kalkül: Nur ein Latino könnte es schaffen, das Image Romneys in der lateinamerikanischen Gemeinde zu verbessern. Indes: Romney selbst sagte dazu bisher nichts.