Bei einem mit Spannung erwarteten Auftritt von einem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London dankte der 41-Jährige gestern Ecuadors Präsident Rafael Correa für seinen „Mut“, ihm Asyl gewährt zu haben. Ein Wikileaks-Sprecher forderte von Schweden eine Garantie, Assange nicht an die USA auszuliefern.
Der 41-Jährige war vor zwei Monaten in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Assange soll dort zu Vorwürfen befragt werden, zwei Frauen vergewaltigt beziehungsweise sexuell belästigt zu haben. Gegen ihn läuft bisher aber noch kein Ermittlungsverfahren. Die schwedischen Ermittler bestehen darauf, ihn in Schweden zu vernehmen und lehnten Angebote ab, ihn in London oder per Videoschalte zu vernehmen. Assange fürchtet nach eigener Aussage, von Schweden an die USA ausgeliefert und dort wegen der Veröffentlichung brisanter Dokumente durch seine Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks juristisch verfolgt zu werden. Bisher hat Washington offenbar aber keine Schritte für eine Auslieferung unternommen. Ecuador gewährte ihm am Donnerstag diplomatisches Asyl, doch will Großbritannien ihn festnehmen, sobald er die Botschaft verlässt.
Die britische „Sunday Times“ berichtete, Assange sei bereit, nach Schweden auszureisen, wenn Stockholm garantiere, ihn nicht an die USA auszuliefern. Ein Sprecher des schwedischen Außenministeriums in Stockholm erwiderte jedoch, „Verdächtige haben nicht das Privileg, Bedingungen zu diktieren“. Er verwies darauf, dass Schweden grundsätzlich Menschen nicht an Länder ausliefere, in denen ihnen die Todesstrafe droht.
Ecuadors lateinamerikanische Verbündete drohten Großbritannien mit „ernsthaften Konsequenzen“, sollte das Land die Immunität der Botschaft missachten. Die Uno wurde zu Beratungen darüber aufgefordert.