Bewertungssystem: Was Hotel-Sterne wirklich bedeuten

19.06.2012 10:00 Uhr
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Hotelsterne

In Deutschland gibt es klare Kriterien für die Vergabe von Sternen an Hotels. (FOTO: DPA, Montage)

Von wegen fünf Sterne sind Luxus pur. Nicht in jedem Land bedeuten die Hotel-Bewertungen dasselbe. Die korrekten Deutschen allerdings haben ganz genau festgelegt, welche Annehmlichkeiten es für wie viele Sterne gibt.
Halle (Saale)/MZ/DMN/DPA. 

Etwa 40 Prozent der Touristen orientieren sich bei der Hotelsuche an der Zahl der goldenen Sterne. Doch nicht immer verbirgt sich hinter ihnen das, was man erwartet. Drei Sterne in Spanien müssen nicht das Gleiche sein wie drei Sterne in Thailand.

Bewertungen weltweit anders

Noch gibt es kein weltweit einheitliches Klassifizierungssystem für Hotels. Es herrscht eine große Vielfalt an Bewertungssystemen. So werden allein die spanischen Hotels nach 17 verschiedenen regionalen Gesetzen bewertet. In Finnland gibt es bis heute überhaupt keine Sterne, Griechenland verwendet Buchstaben.

Ein Vergleich zwischen den Sternen verschiedener Ländern ist eigentlich nicht möglich, in vielen Fällen auch nicht sinnvoll. So legen zum Beispiel Südeuropäer wesentlich weniger Wert auf die Länge des Betts als Nordeuropäer und Franzosen erwarten ein Bidet im Zimmer. Reiseveranstalter sind deshalb dazu übergegangen, eigene Klassifizierungen vorzunehmen. Da gibt es neben Sternen Sombreros, kleine Krönchen oder Delfine.

Deutsches Sterne-System als Marke

In Deutschland allerdings werden Sterne vom Deutschen Hotel- und Gaststätten-Verband (Dehoga) anhand klarer Kriterien vergeben. Mittlerweile haben sich zehn weitere Länder dem deutschen System angeschlossen, darunter die Niederlande, Österreich, Schweden und die Schweiz. Das Sterne-System ist ein geschütztes Markenzeichen. Hotels dürfen sich nicht eigenmächtig mit Sternen schmücken.

Hygiene, Zustand, Eindruck

Für die Bewertung der Hotels gibt es einen klaren Kriterienkatalog, der rund 270 Punkte umfasst. „Organisiert wird die Klassifizierung von 18 regionalen Gesellschaften“, erklärt Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland (IHA), der diese für die Dehoga macht.

Zunächst reichen die Hoteliers laut Luthe eine Selbstauskunft ein. Diese wird dann von zwei Prüfern vor Ort kontrolliert. Dabei handelt es sich meist um neutrale Hoteliers, Mitarbeiter der Tourismusverbände oder andere Fachleute. Neben objektiv messbaren Kriterien wie dem Vorhandensein einer Couch fließen auch subjektive Kriterien in die Bewertung ein. „Denn die Couch kann ja auch völlig durchgesessen sein“, so Luthe. Deshalb gibt es die drei zentralen Punkte Hygiene, Erhaltungszustand und Gesamteindruck. „Wenn ein Hotel alle objektiven Kriterien eines Fünf-Sterne-Hauses erfüllt, aber der Gesamteindruck eher dem eines Drei-Sterne-Hauses ähnelt, wird es nicht die Höchstnote geben“, erklärt Luthe.

Auch die Gästemeinung zählt

Seit einiger Zeit fließen laut Luthe auch Gästebewertungen im Internet in die Bewertung ein. Die Kontrolleure erhalten vor ihrem Besuch eine Analyse aus den einschlägigen Bewertungsportalen. „Gab es im Internet zum Beispiel immer wieder Beschwerden über das Frühstück, wird er dort besonders genau hinsehen.“ Gleichzeitig honoriert das Sternesystem auch, wenn Hoteliers ihre Gäste zu einer Bewertung auffordern. „Das Sternesystem und die Internetbewertungen liefern dem Gast einen guten Überblick über das Hotel“, ist der Fachmann überzeugt.

Am Ende steht dann ein Ergebnis: Zwischen einem und fünf Sterne werden vergeben. Ein repräsentatives Messingschild und eine Urkunde erhalten die Hoteliers. Doch viel wichtiger sei die Marketingkraft der Sterne, mit denen die Besitzer um Kunden werben können, sagt Luthe. (dpa/ig)

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