Island: Geysir, Gullfoss und Þingvellir gehören zu den größten Attraktionen

05.07.2012 17:27 Uhr | Aktualisiert 05.07.2012 19:13 Uhr
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Zuverlässig alle fünf bis sechs Minuten...

Zuverlässig alle fünf bis sechs Minuten spuckt der Strokkur Wasser bis zu 20 Meter hoch in den Himmel. (FOTO: EKKEHART EICHLER)

Von ekkehart Eichler
Geysir, Gullfoss und Þingvellir gehören zu den größten Attraktionen auf der Insel. Die imposanten Naturgewalten sind bequem auf einer Tagestour von der Hauptstadt Reykjavik aus zu erleben.
Halle (Saale)/MZ. 

Auf das "Butterfass" ist Verlass. Erst blubbert das blassblaue Wasser in seinem kleinen Quell-Pool. Dann wölbt es sich plötzlich zur Blase, schießt daraus als kochend heiße Säule bis zu 20 Meter hoch in den postkartenblauen Himmel und fällt Sekundenbruchteile später saft- und kraftlos wieder zusammen. Ein bildschönes, aber auch kurzes Schauspiel. Wem der fotogene Akt zu flott geht, muss dennoch keine Trübsal blasen. Alle fünf bis sechs Minuten wiederholt der Strokkur sein spektakuläres Manöver, im immer gleichen Ablauf seiner Phasen, aber durchaus mit Variationen in der Form der Fontänen.

Im geothermalen Hochtemperaturgebiet von Haukadalur spielt der Strokkur seit langem schon ganz zuverlässig seinen Part als Hauptattraktion. Den Namen Geysir verdankt die Welt allerdings der größten Springquelle auf diesem Areal, die gleich nebenan friedfertig vor sich hin simmert und es in ihren besten Tagen auf eine Wassersäule von durchschnittlich 60 Metern brachte. Diese Zeiten sind allerdings schon eine Weile vorbei, und alle Versuche, den schlummernden Monster-Speier mit etlicher Kilo Schmierseife zu neuen Eruptionen zu animieren, inzwischen kategorisch verboten.

Unterwegs auf dem "Golden Circle". Eine etwa 250 Kilometer lange "Island für Einsteiger" - Rundtour gewissermaßen, die von Reykjavik aus bequem an einem Tag zu absolvieren ist. Dieser Klassiker des Island-Tourismus bündelt neben kleineren Sehenswürdigkeiten wie dem ehemaligen Bischofssitz Skálholt und dem Explosionskrater Kerid? im Wesentlichen drei Top-Attraktionen. Und vom Strokkur zum zweiten fabelhaften Naturspektakel braucht es dabei gerade mal einen Katzensprung.

Schon von weitem hört man sein dumpfes Grollen. Und je näher man Seiner Majestät auf die Pelle rückt, desto bedrohlicher wird sein Gebrüll. Bekommt man ihn dann endlich zu Gesicht, relativiert sich das Getöse: Es ist dem Schauspiel nämlich absolut angemessen.

Gleich auf den ersten Panoramablick verzaubert der "Goldene Wasserfall" mit seiner gewaltigen Dimension und königlichen Schönheit. Sogar einen leuchtenden Regenbogen hat er zur Begrüßung über dem sattgrünen Plateau angeknipst - ein famoser Anblick!

Selbst in Island, das mit grandiosen Wasserfällen reich gesegnet ist, gibt es einen wie den Gullfoss nicht alle Tage. Der vom Schmelzwasser eines Gletschers gespeiste Hvita-Fluss nämlich donnert hier über zwei gegeneinander versetzte Stufen erst 11 und dann 21 Meter hinab in eine schmale Kluft - eine unbeschreibliche Urgewalt, der man als winziges Menschenwesen fassungslos gegenübersteht.

Attraktion Nummer drei ist nicht nur ein landschaftlicher, sondern auch ein historischer Leckerbissen. Dabei geht es um nicht mehr und nicht weniger als das isländische Nationalheiligtum Þingvellir, das sich an einem tektonisch höchst sensiblen Platz befindet. Denn unter der sieben Kilometer langen "Allmännerschlucht" befindet sich gewissermaßen die Grenze der Erdteile. Exakt hier treffen die Eurasische und die Amerikanische Kontinentalplatte aufeinander, die sich noch heute mit ein bis zwei Zentimetern per annum voneinander entfernen. Diese Drift führte im Verlauf der Jahrtausende zu Absenkungen und Brüchen. Wer durch die Schlucht wandert, kann die unermesslichen Kräfte erahnen, die hier am Werk waren.

Für das Althing, die gesetzgebende Versammlung ihrer Häuptlinge beziehungsweise Goden, hätten sich die Isländer kaum einen besseren Ort aussuchen können als dieses spektakuläre natürliche Amphitheater an den Flanken der Schlucht. Mit weitem Blick vom Gesetzesfelsen über das dunkelgrüne Tal trafen sich hier im Jahre 930 zum ersten Mal die freien Männer des Landes zum Urparlament. Und befanden zu einer Zeit, als das übrige Europa noch tief in Mittelalter und Feudalherrschaft steckte, über alle wesentlichen Fragen des Landes und ihres Lebens in freier Selbstbestimmung. Auf der "Ebene der Volksversammlung" fiel im Jahre 1000 zum Beispiel die Entscheidung für den Übertritt zum Christentum.

Hier wurden einmal jährlich Gesetze formuliert, Prozesse geführt, Recht gesprochen sowie drastische Strafen verhängt und vollzogen: Zum Tode verurteilte Männer etwa wurden meist enthauptet; Frauen, die Ehebruch oder Kindsmord begangen hatten, in einen Sack gesteckt und im Teich ertränkt.

Diese martialischen Zeiten sind nun schon lange vorüber. Gänsehaut verursacht heutzutage allenfalls der kühle Wind, der oft über die weite Ebene fegt. Und was den Tod betrifft, so kommt hier bei manchem eine eher romantische Sehnsucht ins Spiel - das eine oder andere Fleckchen in Þingvellir ist einfach nur zum Sterben schön.