Karibik: Luxuriöse Gemütlichkeit

10.05.2012 18:49 Uhr | Aktualisiert 10.05.2012 18:53 Uhr
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Bucht

Eine Bucht wie aus dem Bilderbuch auf der Karibikinsel St. Barthélemy. (FOTO: DPA)

Von andrea tebart
St. Barthélemy gilt als europäischste der Kleinen Antilleninseln und versprüht noch immer jede Menge skandinavischen Charme.
Halle (Saale)/MZ. 

Der Landeanflug hat es in sich. Die zweimotorige Propellermaschine hüpft auf und nieder. Kurz zuvor lag St. Barthélemy noch ausgebreitet vor uns: buschiges Grün, umspült von türkisfarbenem Wasser, und weiße Segelyachten, die träge auf den Wellen schaukeln. Nach einer scharfen Linkskurve befindet sich der Flieger nun auf einer engen Luftstraße, eingerahmt von Hügeln, die zum Greifen nahe sind. Trotz heftiger Fallwinde geht die Nase der Maschine immer steiler gen Boden, die Landebahn kommt abrupt in Sicht. Sie ist verdammt kurz und endet im cremefarbenen Sand der Bucht von St. Jean. Geschafft.

Der allererste Blick fällt auf einen Surfer, der knapp vor der Flugzeugnase am Ufer vorbeizieht. So spektakulär ist jede Landung auf St. Barth, wie Fans die Insel liebevoll abkürzen. Die hügelige Topographie lässt keine längere Landebahn zu. Schmale, holprige Straßen winden sich steil über die kleine französiche Antilleninsel, die an der breitesten Stelle gerade einmal zehn Kilometer misst. St. Barthélemy ist ein Mikrokosmos der besonderen Art. Hier trifft französische Gegenwart auf schwedische Vergangenheit. 1785 überließ Ludwig XVI. dem schwedischen König Gustav III. die Insel. Im Gegenzug erhielt er dafür Anker- und Lagerrechte im Hafen von Göteborg. In der Karibik trafen die Scheden auf Siedler, deren Ahnen im 17. Jahrhundert aus der Normandie und dem Poitou eingewandert waren. Markenzeichen ihrer Nachfahren sind noch heute eine helle Haut und Sommersprossen. Gut 139 Jahre ist es nun her, dass ein Referendum die schwedische Kolonialzeit beendete.

Wehmütig denken die 8 500 Bewohner daran zurück und verklären diese Schwedenjahre zum goldenen Inselzeitalter. Mit Freihafen und allem, was dazu gehört, wie beispielsweise die zweisprachigen Straßenschilder. Auf Französisch und Schwedisch. Auch die kleine Hauptstadt Gustavia erinnert an die Schweden. Nach König Gustav III. benannt, versprüht sie noch immer den Charme einer skandinavischen Siedlung. Und zwar vor allem am kurzen Ende des Hafenbeckens, wo helle, alte Holzhäuser mit ihren rot leuchtenden Dächern stehen. Wo sich Kokospalmen im Passatwind wiegen und wo über ihnen die steinernen Reste der schwedischen Festungstürme grüßen. Überschaubar ist alles und irgendwie auf luxuriöse Weise gemütlich. Die Insel lebt ihr eigenes - karibisches - Tempo.

Die Sonne scheint 300 Tage im Jahr, Wasser- und Außentemperaturen liegen zwischen 25 und 29 Grad Celsius und von den 22 Stränden entsprechen wohl die allermeisten dem einer typischen Traumbucht. Schon aus Platzgründen entschieden sich die Verantwortlichen Mitte der 50er Jahre gegen den Massentourismus. Und die traditionsbewussten Inselbewohner sind - unbeeindruckt von ihren wirtschaftlichen Erfolgen - so geblieben, wie sie schon immer waren: fleißig, diskret und gastfreundlich. "Obwohl wir am anderen Ende der Welt liegen, ist St. Barthélemy wohl die europäischste aller Karibikinseln", schwärmt Solveig, die deutsche Boutique-Besitzerin mit dem schwedischen Namen. "95 Prozent Weiße leben hier. Das hat historische Gründe. Die großen Plantagen, auf denen Sklaven gearbeitet haben, gab es nur auf den Nachbarinseln." Die wenigen Versuche auf St. Barth, Tabak, Indigo oder Baumwolle anzupflanzen, scheiterten hauptsächlich am felsigen Vulkangestein. "Deshalb florierte zu den besten Piratenzeiten wohl eher der Schmuggel als die Landwirtschaft", lacht Solveig.

Heute gibt sich der Jetset aus Frankreich und den USA hier regelmäßig ein Stelldichein. Ob Hollywoodgrößen, französische Berühmtheiten oder echte Prinzessinnen - viele waren schon einmal da. Manche kommen immer wieder. Acht Flugstunden von Paris entfernt liegt die 25 Quadratkilometer kleine Insel. Sie gehört direkt zu Frankreich und man kann mit dem Euro bezahlen.

Auf der ganzen Insel gibt es absolut edle und teure Restaurants. Etwas preiswerter und mitten in Gustavia: die Select-Bar. Sie gehört zum unbedingten Pflichtprogramm. Die Bar ist der Inseltreffpunkt schlechthin. US-Sänger Jummy Buffet hat dem Fastfood dieser Institution ein musikalische Denkmal gesetzt: Sein "Cheeseburger in Paradise" klingt nicht nur beschwingt karibisch, sondern gehört zum Inselurlaub wie die "Sundowner" im "Carl Gustav".

Denn wenn am Abend die knalligen Farben der Karibik blasser und die Cocktails bunter werden, wenn die Silhouetten der Nachbarinseln St. Martin, Saba und St. Kitts am Horizont verschwinden, dann ist es Zeit, in das Hotel oberhalb des Hafens zu gehen. Mit einem Longdrink in der Hand, sanfter Pianomusik im Ohr und die untergehende Sonne im Blick wird es schnell klar, das Geheimnis dieser paradiesischen Insel.