Österreich: Wellness in den Alpen

03.05.2012 18:41 Uhr | Aktualisiert 03.05.2012 19:03 Uhr
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Pool mit Bergblick

Ein Pool mit Bergblick wartet auf die Gäste des "Hotel Post" im Tiroler Lermoos. (FOTO: MINALTY)

Von WOLFGANG MINATY
Von der kleinen Tiroler Gemeinde Lermoos kann der Tourist nicht nur die Zugspitze mal von hinten sehen, sondern auch etwas für sein Wohlbefinden tun.
Halle (Saale)/MZ. 

Wer will, macht Wellness. Wer nicht will, bleibt trotzdem Mensch. Ich wollte beides, wollte sehen, ob ich nachher der bessere Mensch war. Doch der Reihe nach.

Was Wellness bedeutet, braucht man nicht im Brockhaus nachzuschlagen. Wellness muss ich auch nicht übersetzen, denn Wellness ist sexy. Zum Wohlbefinden kommt das Wohlgefallen, und schon ist's um mich geschehen. Und wo das geschieht, wissen wir auch - im so genannten Wellness-Hotel.

Da gibt es Fitness und Sauna, Spa und Relax, Thalasso und Ayurveda. Wir wollen auch die Kräuter und Apfelblüten nicht vergessen, genauso wenig das schleimige Moor und die rubbelige Massage, den Wickel erhält man quasi im Vorbeigehen, ans Anti-Aging heften viele die Nachhaltigkeit, und zwischendurch gibt's auch was zum Essen, nennen wir es ruhig Schlemmen.

Doch wer hilft, die richtige Residenz zu finden? Zum Beispiel der "Relax Guide 2012 Deutschland", der mehr als 1 000 Hotels kritisch unter die Lupe genommen hat. Oder man macht sich selbst auf die Suche, im Internet unter www.wellnesshotel.com - und schon hat man die Qual der Wahl zwischen 27 exklusiven Häusern in Österreich und Südtirol.

Ich habe mich fürs "Hotel Post" in Lermoos entschieden. Ich wollte schon immer mal die Zugspitze von hinten sehen. Viele kennen sie von Garmisch-Partenkirchen aus. Aber wer weiß schon etwas von der anderen Seite? Genau da liegt Lermoos, jenseits der Staatsgrenze. Wir sind in Österreich, in Tirol. Angelika Dengg, die Hotelchefin, begrüßt uns persönlich. Es geht noch sehr familiär zu. Den Komfort kann man sehen, er blitzt, aber er klotzt nicht. Statt Design ist Tradition angesagt. Man fühlt sich schnell wohl. Und freundlich grüßen die Äpfel im Früchtekorb. Es ist wie bei Adam und Eva.

Die Koffer sind abgestellt. Wir treten ans Fenster und blicken auf das moosige "Lermooser Moos" hinaus und hinüber zur Nachbargemeinde Ehrwald - und darüber hinweg. Und was sehen wir da? Nicht die Mitterspitze, nicht die Sonnenspitze, nicht die Griesspitze, die sind alle nur sozusagen das Treppengeländer, trotz ihrer mehr als 2 000 Metern Höhe. Nein, wir sehen die Zugspitze.

Um zehn Uhr ist Wassergymnastik. "Und hoch das Bein!" Das macht munter. Die flexible Schwimmnudel vertreibt Bierernst und Blockaden. Um 14 Uhr machen wir den Rücken fit. Und dann folgt die Belohnung: die "Vinoble-Honig-Wein-Packung", reinigt die Haut und regt die Zellen an. Liegt vermutlich an der Weintraube. Auf dem Weg ins Zimmer - überall ein fröhlicher Früchtekorb. Der Griff hinein wird zur sympathischen Routine.

Das Programm für den nächsten Tag: "Kosmetik pur" für sie. Und für "ihn"? Augenbrauen formen und Wimpern färben, das überlasse ich dann doch "ihr". Aber gegen ein verwöhnendes Ritual für Hände und Füße ist nichts einzuwenden, also gibt es eine "Alpenkräuter-Fußmassage mit Pediküre". Zwischendurch ein kleiner Ausflug gefällig? Man kann ja nicht fortwährend relaxen. Und Kraxeln muss man auch nicht gleich. Also auf zum Zugspitz-Panoramaweg! Der hat seinen Namen verdient. Aus-, Rund- und Durchblicke. Zurück im Hotel wartet schon ungeduldig das Früchtebuffet von Ananas bis Zuckermelone.

Geht's noch schöner? Jawohl, hinauf zur Zugspitze. Direkt. Turbo. In eleganten Gondeln gleiten wir lautlos nach oben. Es ist mucksmäuschenstill. Nur die Räder auf dem Tragseil kratzen. Zehn Minuten für fast zwei Kilometer Höhendifferenz. Oben, über Nebel, Stein und schroffen Spitzen, der Himmel - zum Greifen nah. Es verschlägt uns den Atem, so benommen sind wir. Dafür gibt es den kleinen Grenzverkehr zwischen Tirol und Bayern: Es lockt der höchstgelegene Biergarten Deutschlands.

Wie rasch die Tage verflogen sind! Zum Abschluss gönnen wir uns noch einmal das wohlig warme Wasser im Außenpool, wo's lüftelt und sprudelt. Irgendwie bin ich in den vergangenen Tagen gelassener geworden, vielleicht auch nur ein bisschen gesünder - ob auch gleich ein anderer Mensch, das mögen andere besser beurteilen. Aber allein die vielen freundlichen Früchtekörbe im Hotel haben mich dankbarer werden lassen.