Herbert Knaup, alias Kommissar Kluftinger (l.), im Gespräch mit Krimi-Autor Volker Knüpfel, der in «Milchgeld» den Gerichtsmediziner spielt. Beliebte Kulisse für Krimis ist der Alatsee nahe Füssen (FOTO: ARD DEGETO)
Seit fast einem Jahrzehnt liefert das Allgäu dem erfolgreichen Autoren-Duo Michael Kobr und Volker Klüpfel die Vorlagen für ihre Krimis. Sechs Stück sind bereits entstanden. 2009 verfilmte der Bayerische Rundfunk den Roman "Erntedank" und am 26. April wird die ARD "Milchgeld" zeigen. In der Rolle des eigenwillig ermittelnden Kommissars Kluftinger ist Herbert Knaup zu erleben. Er gilt als Idealbesetzung, denn er ist im Allgäu geboren, kann schwäbeln und hat mehrere Kilo zugelegt, schließlich sind Kässpatzen Kluftis erklärtes Leibgericht.
Die Allgäuer Dreh- und Tatorte können jetzt von Krimi-Fans aufgespürt werden. Zum Beispiel in Altusried mitten im Allgäu, das zu Ruhm und Ehre kommt, weil es der Wohnort von Kommissar Kluftinger ist. Und ausgerechnet in der 7 000-Seelen-Gemeinde spielt auch der Krimi "Milchgeld". Der Betriebsleiter der örtlichen Molkerei wurde erdrosselt und Kluftinger deckt prompt einen handfesten Skandal auf, der das ganze Allgäu ordentlich zum Wanken bringt.
Kommissar parkt vor dem Puff
Getreu der Buchvorlage stürzt Herbert Knaup über ein offenes Grab auf dem hiesigen Friedhof. Dieser dramaturgische Höhepunkt wird während einer Kluftinger-Führung gebührend ausgeschlachtet. Der Vater oder die Schwester des Autors Klüpfel - alle wohnhaft in Altusried - bewähren sich als Laiendarsteller.
Aber auch in Kluftingers Arbeitsort Kempten, die mit 2 000 Jahren älteste Römerstadt Deutschlands, werden die Spuren des Kommissars verfolgt. Täglich fährt er in sein Polizeirevier, dem es an Parkplätzen mangelt. In seiner Not stellt der Kommissar sein Auto am gegenüber liegenden Puff ab, wo ihn die Uschi freudig begrüßt und ihm gern auch mal ein paar Sonderkonditionen anbietet.
Die Polizeiszenen für "Milchgeld" wurden jedoch nicht in Kempten gedreht, wie es die Krimi-Autoren vorgaben, sondern im 35 Kilometer entfernten Memmingen. Das Fernsehteam fand ein altes Bürohaus des dortigen Elektrizitätswerkes passender.
Wo Kommissar Kluftinger auch nur die leiseste Spur hinterlässt - ob in Kempten oder in Memmingen - Simone Zehnpfennig von der Allgäu Tourismus GmbH kennt sie und führt ihre Gäste dorthin. Darüber hinaus ist es auch so eine wahre Freude durch beiden Städte zu spazieren, haben sie sich doch ihr mittelalterliches Flair erhalten. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts regierten rund 150 geistliche und weltliche Herrscher im politisch zersplitterten Allgäu und übertrafen sich gegenseitig in Prunksucht und Selbstdarstellung. Was davon blieb, sind schönste Baudenkmäler in den historischen Orten.
Trip zu Bayerns Schlösser
Nach dem Roman "Milchgeld" plant die ARD den Krimi "See-grund" zu verfilmen. Nun kommt Füssen, Bayerns höchstgelegene Stadt, ins Spiel. Von hier ist es zum Wandern nur ein Katzensprung. Vor den Toren der Stadt thronen die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau, in Füssen selbst das Hohe Schloss.
Kluftinger trifft im "Seegrund" erstmals auf seine zukünftige japanische Schwiegertochter Yumiko, genannt Miki, und will ihr Neuschwanstein zeigen. Wegen der Menschenmassen - vor allem Japaner - wandern die beiden stattdessen gemeinsam zum sagenumwobenen Alatsee, etwa sechs Kilometer von Füssen entfernt. Dort nimmt der Ausflug ein jähes Ende.
Kluftinger und Miki entdecken einen leblosen Taucher in einer roten Lache. Was der Kommissar zunächst für Blut hält, entpuppt sich als eine seltene organische Substanz, eine leuchtend rote Schicht von Purpur-Schwefelbakterien aus den Tiefen des Bergsees. Deshalb wird er auch der blutende See genannt. Unterhalb dieser Schicht gibt es so gut wie keinen Sauerstoff, oberhalb gedeihen jedoch Flora und Fauna. Das Tauchen ist verboten, das Baden aber durchaus gestattet für den, der es etwas frischer mag.
Goldschatz auf dem Seegrund
Von Füssen aus geht eine Klufti-Führung durch das urwüchsige Faulental zum Alatsee. Unterwegs erzählt Wanderführerin Erih Gößler den tippelfreudigen Krimi-Freunden Sagen von verwunschenen Mädchen und von schwarzen Pudeln mit tellergroßen Augen. Sie weiß aber auch von Goldschätzen der Deutschen Reichsbank, die auf dem Seegrund versenkt sein sollen.
"Den Schatz hat bisher noch niemand gehoben", glaubt Erih Gößler, "sicher ist nur, dass es während des Zweiten Weltkrieges auf dem See militärische Versuche gab. Bis 1954 war er gesperrt, was haben die Amerikaner wohl hier so lange gesucht?", fragt sich die Füssener Wanderführerin.
Stoff für einen Krimi gibt es jedenfalls reichlich. Und wenn nicht gerade "blutende" Taucher hier herumliegen, ist der smaragdgrüne Alatsee auf 840 Metern Höhe, traumhaft umrahmt von schneebedeckten Gipfeln, ein empfehlenswertes Wanderziel im Allgäu.