Nimmt den "Heroenlauf" in Angriff: Christoph Franzke. (FOTO:BIEL (4)/PRIVAT)
120 Kilometer! Ernten Sie, wenn Sie das erzählen, eher Bewunderung oder eher Kopfschütteln?
Christoph Franzke: Beides. Für viele ist das eine unbegreifliche Distanz. Aber ich habe auch viele Unterstützer.
Wie kam es zu der Idee?
C. Franzke: Nun, gelaufen bin ich schon immer. Zum Beispiel als 20-Jähriger, kurzentschlossen beim Rennsteiglauf - und gleich über 75 Kilometer. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich im September 1985, da wurde ich von einem 60-Jährigen überholt. Danach war der Ehrgeiz entbrannt. 2 500 Kilometer, darunter viele Volks- und Marathonläufe spulte ich pro Jahr ab. Bis ich vom Himmelswegelauf und den 120 Kilometer hörte ...
Sofort zielsicher angemeldet?
C. Franzke: Zunächst eher aus Neugier angefragt. Und als dann die Zusage kam, habe ich schon erstmal geschluckt.
Wie verlief die Vorbereitung?
C. Franzke: Zunächst schlecht. Im Dezember holte ich mir beim Skifahren einen Bändereinriss. Acht Wochen Sportverbot, da schien alles aus. Doch Anfang März gab mir Klaus-Peter Kaiser, mein Orthopäde und Vereinskollege von der LG Rudelsburg, grünes Licht.
März bis Juni: Das klingt für so ein Wahnsinns-Rennen nicht viel.
C. Franzke: Stimmt. Doch ich habe gute Grundlagen und könnte, wenn ich nachts geweckt werde, aus dem Stand einen normalen Marathon laufen. Allerdings ohne Zeitvorgabe.
Wie viele Kilometer laufen Sie derzeit pro Woche?
C. Franzke: Das Maximum lag bei 158. Sechs Mal pro Woche laufe ich, immer vor oder nach der Arbeit. Die längste Strecke habe ich jetzt Montag vor mir. Da fahre ich per Zug nach Kranichfeld / Erfurt und laufe 70 Kilometer auf dem Ilm-Radweg nach Großheringen.
Wie heißt das persönliche Ziel für den 16. Juni?
C. Franzke: Ankommen. Das wird schwer genug. Aber ich trainiere körperlich und mental sehr hart und bin optimistisch. Mein Trainingsplan ist auf 100 Kilometer in zehn Stunden ausgerichtet. Den Rest muss ich dann so durch. Der Veranstalter gibt als zeitliches Limit 14 Stunden vor. Das muss ich schaffen.
Was ist die größte Angst? Was wird zuerst wehtun?
C. Franzke: Schlecht wäre natürlich eine große Hitze. Was zuerst wehtut, weiß ich nicht. Aber auch festgewordene Muskeln kann man wieder lockern. Und wenn ich einen mentalen Hänger kriege, vertraue ich auf meine Familie und Unterstützer, die mich am Streckenrand hoffentlich anschreien und pushen werden.
Wie sieht's mit Ausrüstung und Verpflegung aus?
C. Franzke: Drei Paar Schuhe habe ich seit März verbraucht. Immer das gleiche Modell. Zwei Radfahrer werden beim Lauf immer bei mir sein und mich verpflegen. Bananen, kohlenhydratreiche Sportgels, dazu bis zu zehn Liter Mineralwasser, Tee, isotonische Sportgetränke.
Pausen? Toilette?
C. Franzke: Es kann passieren, dass ich die gesamte Zeit nicht auf die Toilette muss. Und wenn doch, geht's in die Büsche. Pausen werde ich wohl spätestens nach 60 Kilometern machen müssen. Entweder im leichten Gehen oder auch im Stehen. Das wär' auch nicht schlimm. Das habe ich trainiert, schließlich braucht es etwas, um nach einer Pause wieder in Tritt zu kommen.
Angst vor der Strecke?
C. Franzke: Sie ist schon wellig. Verläuft zumeist auf geteerten Feld- oder Radwegen, aber auch auf Kopfsteinpflaster. Ein Höhepunkt ist Querfurt, da laufen wir zum Mittelalterfest durch die Burg. Hoffentlich bin ich dann noch im Rennen.
Ein Wort zur Konkurrenz.
C. Franzke: 13 Herren und zwei Damen sind wir. Als Favorit hat Mitorganisator Waldemar Cierpinski den "Laufkönig" Thomas König ausgemacht. Den werd' ich wohl nur zum Start sehen. Danach wird es ein Einzelkampf mit mir selbst.