14. Dessauer Anhaltmeeting: Heinze genießt die heimische Kulisse

25.05.2012 22:51 Uhr | Aktualisiert 25.05.2012 23:09 Uhr
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Christian Heinze

Christian Heinze beim 14. Internationalen Leichtathletikmeeting «ANHALT 2012» Dessau. (FOTO: LUTZ SEBASTIAN)

Von Frank Harnack
Er blieb bis zum Ende, obwohl Christian Heinze gar nicht mehr im Wettkampf war. Als seine Konkurrenten der Hochsprungkonkurrenz beim 14. Dessauer Anhaltmeeting der Leichtathleten am Freitagabend so richtig auf Touren kamen, war für den einzigen Dessauer beim Anhaltmeeting schon Schluss.
Dessau/MZ. 

Für Heinze aber kein Grund, die Szenerie zu verlassen. Er die ganze Zeit inmitten der Stars wie Raul Spank oder Jaroslav Baba aus Tschechien. "Ich genieße das Feeling, hier dabei zu sein", sagte der Student mit einem Strahlen im Gesicht.

Sein großes Vorbild Raul Spank allerdings hatte nach dem Wettkampf ein Gesicht wie eine Gewitterwolke. Mit seinen gestern erreichten 2,20 Metern war er keinesfalls zufrieden, denn eigentlich wollte er zwölf Zentimeter mehr drauf packen und damit die Olympianorm für London 2012 packen. "Ich kann es mir nicht wirklich erklären, woran es gelegen hat", haderte er mit sich selbst.

Diese Sorgen hätte Heinze sicherlich auch gern, wenn er 2,20 Meter springen könnte. Er schaffte 20 Zentimeter weniger und blieb damit auch hinter seinem eigentlichen Ziel von 2,10 Meter. Zufrieden war er trotzdem. "Ich wollte vor allem technisch sauber springen, und das ist mir endlich gelungen", bilanzierte er und beobachtete weiter aufmerksam seine Konkurrenten. "Zuschauen, Erfahrung sammeln und dazu lernen."

Das Gefühl, vor heimischer Kulisse und vor über 5 000 Zuschauern zu starten, war für ihn "überwältigend". Dass nicht mehr als die zwei Meter drin waren - er scheiterte drei Mal an 2,05 Meter - lag an seinen Problemen im Anlauf, glaubt er. Den hatte er vor zwei Wochen erst umgestellt. "Es ist der richtige Weg, aber ich muss noch stabiler werden", weiß Heinze um seine Schwächen. Sein Versuch über zwei Meter "fühlte sich schon wie Hochsprung an", so der mehrfache Medaillengewinner bei nationalen Nachwuchs-Meisterschaften. Sein Dessauer Trainer Horst Matzke, der das Talent über Jahre kontinuierlich entwickelt hat, glaubt, dass sein langjähriger Schützling noch "etwas Zeit brauchen wird".

Das begeisterungsfähige Dessauer Publikum erkor unterdessen gestern Abend einen Weitspringer aus Südafrika zu seinem Liebling. Zarck Visser sorgte für den einzigen Acht-Meter-Sprung der Konkurrenz, siegte mit 8,06 Meter. Zwei weitere seiner Sprünge schienen noch weiter zu gehen, aber da übertrat Visser, zum großen Bedauern des Publikums.

Für einen Sieg eines Starters aus Sachsen-Anhalt sorgte die beeindruckend stabil wirkende Diskuswerferin Nadine Müller aus Halle. Zum zweiten Mal binnen kurzem bezwang die Vize-Weltmeisterin mit 65,05 Meter ihre große Rivalin, Weltmeisterin Li Yanfeng aus China. 32 Zentimeter lagen zwischen den beiden derzeit stärksten Diskuswerferinnen der Welt. Die Sorge, dass sie vor den Jahreshöhepunkten bei den Europameisterschaften in Helsinki und Olympia in London zu früh in Form sein könnte, hat Nadine Müller allerdings nicht. "Ich fühle mich in guter Verfassung und glaube, dass noch Luft nach oben ist", meinte sie zufrieden.

Ein Stein vom Herzen fiel unterdessen Stabhochspringer Björn Otto, der mit seinen Ersatzstäben - die A-Garnitur war vergangene Woche zwischen Shanghai und Düsseldorf verloren gegangen, antreten musste. Trotzdem schwang er sich in Dessau auf durchaus akzeptable 5,62 Metern und wurde damit hinter dem siegenden WM-Vierten Lukas Michalski aus Polen (gleiche Höhe) Zweiter.