3. Liga: HFC gegen Stuttgart mit neuem Spielmacher

07.08.2012 22:53 Uhr | Aktualisiert 08.08.2012 22:29 Uhr
HFC-Spieler Anton Müller (FOTO: LÖFFLER) 
Von Karl Ebert
Der Hallesche FC bietet am Mittwoch in seinem Auswärtsspiel bei den Stuttgarter Kickers mit Anton Müller einen neuen Spielmacher auf. Der Trainer der Schwaben hat Respekt vor dem Mitaufsteiger.
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Halle (Saale)/MZ. 

Vorsichtig stieg Dennis Carl durch das dichte Gestrüpp hinter dem Trainingsplatz. Ganz behutsam holte der Verteidiger des Fußball-Drittligisten Hallescher FC einen Ball aus den mit Dornen behafteten Sträuchern. Nur nicht verletzen, dachte er sich. Als er wieder auf dem Rasen stand, entdeckte er eine drei bis vier Zentimeter lange Dorne, die sich in das Spielgerät gebohrt hatte. Und schon bei der kleinsten Bewegung dieses Fremdkörpers ging dem Ball die Luft aus.

Telmo Teixeira-Rebelo hat die Sache nicht mitbekommen. Er war schon in der Kabine. Sinnbildlich hätte die Szenerie aber genau auf ihn gepasst. Denn auch für den Deutsch-Portugiesen ist erst einmal die Luft raus.

Teixeira-Rebelo muss seinen Platz als Zehner heute im Spiel bei den Stuttgarter Kickers an Anton Müller abtreten. Trainer Sven Köhler hat sich festgelegt. Auch wenn er nur sagt: "Ich tendiere zu Anton Müller." Aber dieses "tendiere" klingt entschlossen. Die Verteilung der Trainingsleibchen war ein weiteres Indiz für den anstehenden Wechsel auf der Spielmacher-Position.

"Telmo hatte seine Einsatzzeiten. Er ist noch nicht wieder auf dem Niveau des Vorjahres. Nun bekommen andere ihre Chance", erklärte Köhler am Dienstag. Müller hatte bereits gegen Rot-Weiß Erfurt einen knapp halbstündigen Einsatz. Und er biss sich ins Spiel. Nach sechs Minuten holte er sich mit einem überzogenen Einsatz die Gelbe Karte ab. Wenige Sekunden danach schlug er einen unerreichbaren Freistoß quer über das Spielfeld - direkt ins Seitenaus. Doch dann versetzte er an der Eckfahne zwei Erfurter im Zweikampf und konnte nur durch ein Foul gebremst werden. Und elf Minuten nach seiner Einwechslung bereitete er das 2:0 von Steven Ruprecht mit einem präzisen Eckball mustergültig vor. "Vier solche Aktionen innerhalb kurzer Zeit. Sah wohl ein bisschen komisch aus", fragte er hinterher, um die Antwort gleich mitzuliefern: "Ganz bestimmt."

Der Fall Anton Müller zeigt, welch extremen Schwankungen die Gefühlswelt eines Fußballers zu Beginn einer Saison ausgesetzt sein kann. Zum Auftakt gegen Kickers Offenbach saß der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler nur auf der Tribüne. Die Partie beim Karlsruher SC erlebte er zumindest wieder im Kader. Gegen Erfurt durfte er genau 26 Minuten ran und nun von Beginn an. Aber noch traut er dem Braten nicht. "Vor Offenbach hätte ich auch nicht gedacht, dass ich auf der Tribüne sitze. Wir trainieren ja am Vormittag in Stuttgart noch einmal. Mal sehen, was der Trainer dann sagt" erklärte Müller.

Köhler ist für seine Wechselspiele zu Beginn der Saison oder nach der Winterpause bekannt und findet das auch nicht ungewöhnlich. "Das sind doch ganz normale Vorgänge", sagt er. "In dieser frühen Phase des Spieljahres wird es immer wieder Feinabstimmungen geben. Auch personeller Art. Es gibt Spielertypen, die absolvieren eine Riesenvorbereitung und fallen dann in ein Loch. Es gibt aber auch die anderen, die erst in den Punktspielen richtig auftauen."

Wie Anton Müller. Der jedenfalls hat seine Drohung in Richtung Mitkonkurrenten in nur zwei Wochen wahr gemacht. Nach seinem Tribünenplatz zum Auftakt hatte Müller trotzig verkündet: "Ich lasse mich doch wegen eines Spieles auf der Tribüne nicht hängen. Ab sofort gebe ich im Training noch mehr Gas. Irgendwann wird der Trainer nicht mehr an mir vorbeikommen."

Heute in Stuttgart setzt Köhler auf Anton Müller. Und er sagt auch, warum: "Ich erwarte eine ähnliche Partie wie in Karlsruhe. Da gilt es erst einmal, hinten stabil zu stehen. Müller ist von unseren Zehnern derjenige, der die beste Defensivarbeit verrichtet. Und seine Leistungen im Training und gegen Erfurt haben einfach gepasst."