3. Liga: HFC punktet in Karlsruhe

28.07.2012 16:10 Uhr | Aktualisiert 29.07.2012 23:08 Uhr
Steven Ruprecht kämpft um den Ball. (FOTO: HALLESCHER FC) 
Von karl ebert
Der Hallesche FC mischt weiter die 3. Liga auf, grüßt nach einem 0:0 bei Zweitliga-Absteiger Karlsruher SC als bester Ost-Verein von Platz sieben.
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Halle (Saale)/MZ. 

Als Nico Kanitz nach getaner Arbeit vom Rasen in die Katakomben des Karlsruher Wildparkstadions ging, wurde es zunächst ganz dunkel vor seinen Augen. Der Wechsel vom grellen Sonnenlicht in die abgedunkelten Gänge bereitete dem Linksverteidiger des Halleschen FC Schwierigkeiten. Und als er dann doch den Durchblick wiedererlangt hatte, erspähte er unter anderem KSC-Stürmer Elia Soriano, der den Journalisten Rede und Antwort stehen musste über jene Szene, die so beispielhaft war für das 0:0 des HFC beim Karlsruher SC.

Ein ratloser Soriano

Kanitz hatte in der achten Minute spektakulär die KSC-Führung verhindert, als er dem frei aufs Tor zu laufenden Elia Soriano den Ball in höchster Not noch vom Fuß und in die Arme von HFC-Schlussmann Darko Horvat spitzelte. "Ich frage mich jetzt noch, eine Stunde nach dem Spiel, wo Kanitz plötzlich her kam. Ich war doch völlig allein mit Horvat. Unglaublich", sagte Soriano.

Auch HFC-Trainer Sven Köhler war voll des Lobes über den Routinier auf der linken Außenbahn. "Nico Kanitz hat bereits letzte Woche nach seiner Einwechslung gegen die Offenbacher Kickers überzeugt. Und heute hat er ein Riesenspiel nachgelegt", sagte der Trainer. "Aber ich habe auch nie daran gezweifelt, dass er in der dritten Liga bestehen kann."

Nico Kanitz war in Karlsruhe elementarer Teil einer HFC-Defensive, die sich nach der zweiten Zu-Null-Partie gegen ein Schwergewicht der dritten Liga wieder als Herzstück der Mannschaft herauskristallisiert hat. Auch Steven Ruprecht und Patrick Mouaya waren als Innenverteidiger eine Bank. Jan Benes bestätigte mit Ausnahme eines Patzers, der zu Kanitz' Rettungstat führte, seine Leistung aus der Vorwoche. Und im Mittelfeld ließen Maik Wagefeld und Marco Hartmann die starken Karlsruher um ihren jungen Superstar Hakan Calhanoglu nie zur Entfaltung kommen.

"Der KSC hat uns in keiner Phase der Partie an die Wand gespielt", resümierte Sven Köhler. Konnte er wohl auch deshalb nicht, weil der HFC-Coach schon mit seiner Start-Aufstellung Druck auf den Gegner ausübte. Andis Shala als zweite Spitze neben Nils Pichinot zu bringen war clever, weil damit die Hintermannschaft der Gastgeber schon in ihrer eigenen Hälfte gebunden wurde. Dennis Mast rückte auf der linken Außenbahn sogar direkt von der Tribüne in die Anfangself. "Ich hatte damit gerechnet, dass wir nach vorn mit hohen Bällen arbeiten müssen. Die kann Andis ganz gut sichern. Und Dennis Mast hat im Training einfach den stärkeren Eindruck hinterlassen als Michael Preuß", sagte Köhler. "Ich kann ja nicht immer nur reden, dass ich etwas schnell ändern werde, wenn mir etwas nicht gefällt. Ich muss es auch machen."

HFC zwei Mal im Glück

Natürlich waren auch Köhler die Pfosten- und Lattentreffer der Karlsruher Danny Blum (41.) und Jan Mauersberger (54.) nicht entgangen. "Klar, da hatten wir ein wenig Glück. Aber ich gehe nicht so weit, dass wir uns für den Punktgewinn entschuldigen müssen. Marco Hartmann hatte auch einen Pfostentreffer", entgegnete Köhler.

Der stammte aus einer Phase des Spiels, als Köhlers Männer merkten, dass der KSC "wieder einmal nervöser wurde und die Ruhe verlor", wie dessen Trainer Markus Kauczinski sagte. Der HFC wurde frecher. Und wie sollte es an diesem Tag auch anders sein - als Erster zwang Nico Kanitz KSC-Torwart Dirk Orlishausen mit einem Distanzschuss zu einer Glanztat (61.). Gut zehn Minuten später scheiterte Angelo Hauk am Keeper (72.).

Der HFC ist nun mit vier Punkten aus zwei Spielen in die Saison gestartet. Und hat schon jetzt mit Nico Kanitz einen Überraschungsspieler in seinen Reihen. Der Kapitän der Vorsaison hatte erst spät überhaupt eine Vertragsverlängerung bekommen und war eigentlich nur noch zweite Wahl in der Defensive. Doch die Zeiten ändern sich. Und Kanitz registrierte das mit Genugtuung: "Wie sagt man so schön: Totgesagte leben länger."